Sogenannte Liquid Alternatives, Hedgefonds-Strategien im UCITS-Mantel, verkaufen sich seit der Finanzkrise ausgezeichnet. Ende Dezember 2018 war die Zahl der alternativen Investmentfonds in Europa gegenüber 2008 um 76 Prozent gestiegen, auf 2.663 Produkte, berichtet Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah. Damit sind Liquid Alternatives stärker gewachsen als jede andere Anlageklasse. Ihre Manager verwalteten Ende vergangenen Jahres europaweit zusammengenommen 420 Milliarden Euro.

Der Vertriebserfolg steht allerdings in krassem Gegensatz zur Wertentwicklung der Produkte. "Sicherlich gab es individuelle Erfolgsgeschichten, und viele Fonds haben in gewissen Perioden geliefert", sagt Masarwah. Als Positivbeispiel nennt er etwa Produkte von Aberdeen Standard Life, die eine globale Absolute-Return-Strategie (GARS) verfolgen. Insgesamt blieben alternative Investmentfonds aber zuletzt weit hinter ihren Renditezielen zurück, zeigen Zahlen von Morningstar.

Hohe Gebühren drücken die Wertentwicklung
Die meisten alternativen Fonds durchliefen 2018 ihre erste große Bewährungsprobe – und nicht wenige haben dabei komplett versagt. "Es war nicht die erste Marktkrise, in der sich Alternatives nicht behaupten konnten", sagt Masarwah. Auch im Jahr 2011 hatten die Fonds einen schweren Stand. Mehr als 70 Prozent von ihnen lagen damals im Minus. Das Jahr 2018 war allerdings noch schlimmer: Satte 83 Prozent der Liquid Alternatives erlitten Verluste. Ein Drittel der Fonds verlor sechs Prozent oder mehr. "Das ist schlecht, wenn man bedenkt, dass viele Fonds 'absolute Renditen' anstreben", kritisiert der Experte.

Hinzu kommt die mangelnde Transparenz der Fonds, insbesondere mit Blick auf die Offenlegung der Portfoliobestände. "In unserer Datenbank haben 57 Prozent der liquiden alternativen Fonds ihre Bestände seit dem 1. Januar 2018 nicht gemeldet (per Ende Januar 2019), während in anderen Anlageklassen 72 Prozent der Fonds Informationen zu ihren Portfolios-Holdings an uns geliefert haben", erklärt Maswarwah. Dies schränke die Fähigkeit ein, verschiedene alternative Strategien zu bewerten und zu vergleichen. 

Die Kritik an alternativen Investmentfonds ist nicht neu. Morningstar wies bereits im vergangenen Jahr darauf hin, dass die Bilanz der Produkte reichlich schwach ausfällt. Die Anbieter scheinen allerdings auch nicht nachzubessern. Dabei hätten sie durchaus die Möglichkeit, die Performance ihrer Fonds zu steigern: indem sie die Gebühren senken. "Gebühren bleiben der Hauptfaktor, der die Attraktivität liquider Alternativen beeinträchtigt, da sie direkt die Performance mindern, und zwar deutlich", erklärt Masarwah. (fp)