Das europäische Wealth Management ist der jüngste Sektor, der durch Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) erschüttert wurde. Ein neues Tool schürte die Sorge, dass Teile der Branche automatisiert werden könnten.

Die britische Investmentgesellschaft St. James's Place führte am Mittwoch (11.2.) einen Ausverkauf an und verlor zeitweise bis zu 13 Prozent. Der an der Londoner Börse notierte Finanzdienstleister Quilter gab ebenfalls nach. Die Schweizer Institute Julius Bär und UBS fielen jeweils um rund vier Prozent.

Die Bewegungen folgten einem Kursrückgang bei US-Pendants, nachdem das Tech-Start-up Altruist einen neuen Service vorgestellt hatte, der Steuerstrategien für Kunden "innerhalb von Minuten" erstellen soll. Auch andere Unternehmen, darunter Versicherer und Softwarefirmen, verzeichneten zuletzt teils starke Kursverluste – ausgelöst durch Spekulationen über die wahrgenommene Bedrohung durch KI.

Markt ignoriert Grenzen der Automatisierung
Der Analyst Ben Bathurst von RBC Capital Markets sagte, der Rückgang bei Wealth-Management-Aktien sei auf eine "kurzfristige" Positionierung zurückzuführen. Investoren beeilten sich, "eine Erzählung wiederzubeleben, die sich in anderen Branchen abgespielt hat", sagte er. Bathurst warnte jedoch, die Marktreaktion blende aus, dass bestimmte Aufgaben der Finanzberatung nicht durch einen KI-Agenten ersetzt werden könnten.

Dazu zählten etwa die Kenntnis der persönlichen Umstände eines Kunden sowie die Fähigkeit von Vermögensverwaltern, ein breites Spektrum an Dienstleistungen anzubieten, das für Maschinen schwer zu reproduzieren sei.

"Implizite Anerkennung der Bedeutung des Beraters"
Der Broker verwies zudem auf "Burggräben" wie regulatorische Hürden, die die britische Branche schützten und seiner Einschätzung nach mindestens eine Generation lang Bestand haben dürften. 

Nicht zuletzt hob Bathurst hervor, dass das Altruist-Tool entwickelt worden sei, um Finanzberater zu unterstützen. "Das sehen wir als implizite Anerkennung der Bedeutung des Beraters bei der Erbringung der Dienstleistung", sagte er. (mb/Bloomberg)