Für Value-Anleger waren die vergangenen Jahre keine reine Freude. Zwar konnten sie ihr Vermögen mit Substanzaktien seit der Finanzkrise im Schnitt etwas mehr als verdoppeln. Wer stattdessen Wachstumstitel im Depot hatte, kann sich aber heute über das Dreifache seines Ausgangskapitals freuen. Trotzdem sollten Anleger Value-Aktien nicht abschreiben, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management: Er sieht die Chance, dass sich Substanztitel im laufenden Jahr besser entwickeln als Growth-Aktien und damit sozusagen einen Außenseitersieg einfahren.

Galler nennt drei Gründe dafür, dass Wachstumstitel derzeit noch die Nase vorn haben: die weltweite Wachstumsschwäche, die anhaltenden Niedrigzinsen und die technologische Adaption. "In einem Umfeld, wo Wachstum nicht mehr üppig vorhanden ist, scheinen Investoren bereit zu ein, einen Aufpreis für Aktien zu zahlen, die in diesem Umfeld ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum liefern können", erklärt er. Seine Prognose für ein Comeback der Value-Aktien basiert denn auch maßgeblich auf der Annahme, dass sich das Konjunkturumfeld in den kommenden Monaten weiter aufhellt.

Die Letzten werden die Ersten sein
Das Teilabkommen im Handelskrieg zwischen China und den USA, steigende Investitionen in das 5G-Netzwerk und günstigere Finanzierungsbedingungen sorgen für bessere Rahmenbedingungen im verarbeitenden Gewerbe. "Sollte sich das konstruktive Umfeld im Verlauf des Jahres verfestigen, ohne dass sich derweil neue globale Risiken manifestieren, stehen die Chancen nicht schlecht, dass nicht nur die längerfristigen Anleiherenditen etwas ansteigen, sondern auch die Zinsstrukturkurve etwas steiler wird", sagt der Stratege. "In diesem Szenario dürften sich Value-Aktien besser entwickeln als Wachstumsaktien." (fp)