Der Markt für passive Indexfolger ist längst nicht gesättigt, auch wenn Anbieter fast im Tagesturnus neue Produkte lancieren. "Wir sind noch immer eine junge Industrie", sagt Steven Cohen, der das ETF-Geschäft des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock für dessen Tochterunternehmen iShares in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) leitet, im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Der Einfallsreichtum der Produktentwickler kennt vorerst kein Limit; man sei eben noch in der Probierphase: "Manche Anbieter werfen jetzt alles Mögliche an die Wand und schauen, was hängen bleibt", beobachtet Cohen Die Nachfrage auf Kundenseite nach immer spezielleren ETFs sei durchaus vorhanden, sagt Cohen.

Als Beispiel nennt er den Robotics-ETF aus dem eigenen Hauses, der ausschließlich in Unternehmen investiert, die von der fortschreitenden Automatisierung diverser Industrien profitieren. Innerhalb kurzer Zeit investierten Anleger rund 2,5 Milliarden Euro in den Indexfonds und machten ihn damit zu einem der größten Verkaufsschlager der Blackrock-Tochter. "Investorenbedürfnisse verändern sich ständig, und wir versuchen, die nötigen Produkte dafür zu liefern", sagt Cohen.

Wettkampf an allen Fronten
Indexfonds erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Immer mehr Anleger schichten von aktiv gemanagten Fonds in passive Produkte um. "Anleger wissen inzwischen, dass sie keine Gebühren für einen aktiven Fondsmanager ausgeben müssen, der gerade einmal so gut abschneidet wie der Aktien- oder Rentenindex, an dem er sich orientiert", sagt Cohen im FAZ-Artikel. Fondsmanager mit vergleichsweise simplen Strategien wie etwa Value-Titel müssten sich nun ebenfalls mit Faktor-ETFs messen, die dieselben Strategien verfolgen.

Mifid II als Motor für euopäisches ETF-Geschäft
Als Impulsgeber für das Geschäft in Europa sieht Cohen ausgerechnet das Regelwerk Mifid II, das in der traditionellen Banken- und Asset-Management-Szene ansonsten eher wenig Unterstützer hat: "Wegen der neuen Transparenzvorschriften werden viele Investoren sehen, wie viel ihre Geldanlage eigentlich kostet. Ich denke, das wird viele dazu bewegen, in die günstigeren ETF zu investieren. Eine ähnliche Bewegung haben wir in den Vereinigten Staaten schon gesehen.“

Die zunehmende Popularität passiver Investments bekommt auch die klassiche Asset-Management-Seite von Blackrock zu spüren. Von einer Kannibalisierung innerhalb des Konzerns will Cohen aber nicht reden. Vielmehr biete Blackrock inzwischen Produkte an, die das Beste aus beiden Welten vereinen sollen: Herkömmliche Fonds, in denen keine Wertpapiere liegen, sondern verschiedene börsengehandelte Indexfonds. (fp)