Die Vermögensverwaltungsbranche wird in den kommenden Jahren massiv schrumpfen, prophezeit Marty Flanagan, Chef der US-Fondsgesellschaft Invesco. "Jeder dritte Vermögensverwalter wird verschwinden", sagte er im Gespräch mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Insgesamt sieht er die Branche zwar auf Wachstumskurs. "Es ist aber weltweit zu beobachten, dass sich Kunden dazu entscheiden, mit weniger Vermögensverwaltern zusammenzuarbeiten." Das führe dazu, dass die Großen immer größer werden, die Kleinen sich stärker spezialisieren – und die Mittelgroßen vom Markt verschwinden.

Die Platzhirsche bieten oft die ganze Palette an Dienstleistungen und Produkten an: aktives und passives Management, alternative Strategien und Anlageklassen wie Private Equity und Infrastruktur, zunehmend auch nachhaltige Investmentlösungen. "Nachhaltiges Investieren verändert die Branche, es ist entscheidend für den Erfolg von Vermögensverwaltungsfirmen", ist Flanagan überzeugt. Kleine und mittelgroße Fondshäuser können seiner Einschätzung nach schlicht nicht in allen Bereichen präsent sein und halten deshalb dem steigenden Wettbewerbsdruck nicht immer stand.

Teurere Segmente bieten Wachstumschancen
Der Invesco-Chef beobachtet in der Vermögensverwaltung seit rund drei Jahren einen Trend zur Konsolidierung. Dieser sei nicht nur auf die steigenden Ansprüche der Kunden zurückzuführen, erklärt er im Gespräch mit der NZZ, sondern auch auf höhere Regulierungsanforderungen und Investitionskosten. Viele Häuser steckten so viel Aufwand in Regulierung und neue Technologien, dass sie keine Ressourcen für weitergehende Investitionen übrigbehielten.

Wachstumspotenzial sieht Flanagan vor allem in solchen Segmenten, in denen höhere Margen erzielt werden: beim Factor Investing, bei alternativen Anlagen sowie in den Schwellenländern, vor allen in China. In den kommenden zehn Jahren könnte die Hälfte der globalen Nettozuflüsse in Fonds aus China kommen, prognostiziert der Invesco-Chef. Die Ratingagentur Moody's sieht das anders, berichtet die NZZ: Sie gehe davon aus, dass die Vermögensverwaltung insbesondere in den Bereichen Privatmarktanlagen und Nachhaltigkeitsinvestments wachsen könne. China dürfte erst in einigen Jahren einen deutlichen Beitrag zu den Gewinnen leisten, so die Moody's-Experten.

ETF-Boom wird zum Problem
Wachstum gibt es auch im Bereich der passiven Investmentprodukte. Der ETF-Boom löst die Probleme herkömmlicher Fondsanbieter allerdings nicht, sondern verschärft sie eher noch, meint die NZZ. Börsengehandelte Indexfonds laufen ihren teureren, aktiv verwalteten Pendants allmählich in punkto Zuflüsse den Rang ab – das setzt aktive Fondsmanager unter Druck. Im vergangenen Jahr verzeichneten ETFs und andere Indextracker laut Morningstar in Europa höhere Nettozuflüsse als aktiv verwaltete Fonds. Immer mehr Investmenthäuser legen deshalb zusätzlich zu aktiven Fonds auch ETFs auf. Diese bringen aber wegen ihrer niedrigen Gebühren nur geringe Margen. (fp)