Seit Wochen tobt ein brutaler Krieg in der Ukraine. Am 24. Februar haben russische Panzer erstmals die Grenze zum Nachbarland überquert – mutmaßlich, nachdem China grünes Licht gegeben hat. Ohne die Neutralität Chinas dürfte sich Russland den Angriff auf die Ukraine sicher noch einmal sehr gut überlegt haben. Die offensichtliche Kooperation zwischen den beiden Staaten ist nach Meinung von Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch, der Anfang einer geopolitischen Zeitenwende – mit erheblichen Auswirkungen auf die Wirtschaft der westlichen Staaten.

"Uns würde es nicht überraschen, wenn wir in einigen Jahren wieder einen neuen 'Eisernen Vorhang' sehen, und zwar einen, der im Gegensatz zu jenem im Kalten Krieg bis Ende der 1980er Jahre ökonomisch sehr relevant ist", so Vorndram. Europa werde zu einer Entscheidung gezwungen, ob es Handel mit dem von den USA dominierten Westen oder mit den von China geführten Staaten in Fernost treiben will. "Das sind keine guten Nachrichten für eine Exportnation wie Deutschland." Zumal in Asien bald der nächste militärische Konflikt ausbrechen könnte, auf den der Westen wird reagieren müssen: Um Taiwan, das die chinesische Führung um Staatschef Xi Jingping als Teil Chinas betrachtet. 

Wo westliche Wirtschaftssanktionen wirken
Xi Jinping dürfte laut Vorndran zwar nicht entgangen sein, dass der Westen, Europa und die USA, als Reaktion auf den Angriff Russlands enger zusammengerückt sind als viele erwartet hätten. Das könne bei einem Konflikt mit Taiwan, der geographisch von den meisten Staaten weit entfernt ist, natürlich anders aussehen. Das sei aber letztlich für den chinesischen Staatschef schwer einzuschätzen, geschweige denn zu beeinflussen. Xi Jinping sehe gerade aber, welche Systeme durch westliche Wirtschaftssanktionen abgedreht werden können.

"Das beginnt mit Kreditkarten, mit denen die U-Bahn nicht mehr bezahlt werden kann, und reicht über das Swift -ystem, bei dem ein Ausschluss den internationalen Zahlungsverkehr verhindern kann, bis zur Frage der Sicherheit von Währungsreserven, die nicht im eigenen Land gehalten werden", führt der Experte aus. Bereits im Fünf-Jahres-Plan sei daher das Streben nach Unabhängigkeit Chinas in Sachen Energie und Technologe festgehalten. Beides dürfte nun noch deutlich wichtiger werden.

Wirtschaftliche Sanktionen als Konfliktmittel
Noch wichtiger ist aber aus Sicht Vondrans, dass in einem solchen Konflikt wirtschaftliche Sanktionen sehr viel stärker eingesetzt würde als in früheren Zeiten. "Einerseits von Staaten, andererseits haben auch viele Konsumenten bereits seit einiger Zeit begonnen, Lieferketten stärker zu hinterfragen. Entsprechend vorsichtig reagierten viele weltweit tätige Unternehmen – und haben ihre Geschäftstätigkeit in Russland erst einmal eingestellt." Auch Investoren müssen bei der Bewertung von global tätigen Unternehmen solche Fragen im Auge habe. Investments in China gelten laut Taxonomie der Europäischen Union immer noch als nachhaltig. "Wer sie jedoch gemäß dem tieferen Sinn der Taxonomie hinterfragt, dem erscheinen sie heute schon als schwierig." (jb)