Russlands Präsident Wladimir Putin will mit seinem Einmarsch in der Ukraine verhindern, dass sich das Nachbarland wirtschaftlich enger an den Westen bindet – etwa durch einen Beitritt zur Europäischen Union. So sieht zumindest eine Analyse der Fondsgesellschaft DWS den Konflikt. Schon der erste Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2014 war einem Handelsabkommen mit der EU geschuldet, schreibt die DWS, nicht etwa der Aussicht auf eine Erweiterung des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato. Auch in Belarus ging es Russland laut DWS-Analyse nicht in erster Linie darum, die Demokratiebewegung niederzuschlagen, sondern bessere Beziehungen des Landes zur EU zu unterbinden.

Die DWS-Experten haben Statistiken des Weltwährungsfonds ausgewertet, die vor allem auf wirtschaftliche Gründe für diese Haltung Russlands hindeuten. Gemessen in Kaufkraftparitäten haben die ehemaligen Ostblockstaaten Lettland und Polen, die inzwischen EU-Mitglieder sind, Russland deutlich abhängt – trotz Russlands Rohstoffreichtum. Erschwerend kommt laut DWS hinzu, dass Einkommen und Vermögen in Russland inzwischen sehr ungleich verteilt sind. Die DWS nennt Schätzungen, nach denen die privaten Vermögen der reichsten Russen im Ausland im Jahr 2015 schon etwa dreimal so hoch waren wie die offiziellen Nettofremdwährungsreserven des Landes.

Auch freie Wahlen sieht Putin als Bedrohung
Putin hat also Sorge, die Osteuropäer könnten Russland wirtschaftlich abhängen. Zudem verstehe sich die Ukraine schon länger "als eine klar eigenständige, wenn auch noch in der Entwicklung befindliche, europäische Nation", schreibt die DWS. Die Ukrainer wollen deshalb freie und geheime Wahlen. In all dem sieht Putin "nunmehr eine tödliche Bedrohung", so die Analyse weiter. Das sage "genauso viel über sein Regime aus, wie die grauenhaften Fernsehbilder zerstörter ukrainischer Städte". (fp)