An der Börse geht es oft wie in der freien Natur zu: Vor einem Gewitter ist es oftmals verdächtig ruhig. Oder anders ausgedrückt: " Sachkenntnis allein nicht reicht, um auf lange Sicht Erfolg zu haben. Viel hängt auch davon ab, wie gut man die eigenen Emotionen in den Griff bekommt“, schreibt die DWS in einer aktuellen Analyse. In dieser untersucht die Fondsgesellschaft anhand der in den letzten Jahren am US-Aktienmarkt gemessenen "Stimmungsschwankungen", ob Investoren Aktien treu bleiben oder lieber Risikopositionen reduzieren sollten.

Ein von der DWS veröffentlichter "Panikindikator" soll dabei helfen. Die Index-Berechnung ist relativ simpel: Dabei wird einfach das nachlaufendende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 durch den Volatilitätsindex des S&P 500 (VIX) dividiert. Der VIX zeigt die Volatilitätseinschätzungen der Derivatemärkte an und wird häufig als Gradmesser dafür verwendet, wie ängstlich oder selbstgefällig die US-Aktienmärkte für die nahe Zukunft gestimmt sind.

Quelle: DWS

Der so hergeleitete Panikindikator bietet eine interessante Perspektive auf die Entwicklungen der letzten Jahre. Ab Februar 2016 und im gesamten Jahr 2017 stieg das Verhältnis von Übeschwang zu Angst stetig an. Dies war laut DWS vor allem auf eine ungewöhnlich geringe Volatilität und nicht auf ein ungewöhnlich hohes KGV zurückzuführen. Die Ende 2017 beschlossenen Steuersenkungen in den USA gaben dem Gradmesser einen weiteren Schub in Richtung "Euphorie", da Anleger ihre Gewinnerwartungen nach oben revidierten. "Auch die Positionierung spielte eine Rolle – wenn die Märkte euphorisch werden, sind häufig jene Aktien besonders gefragt, die in der Vergangenheit gut gelaufen sind“ ergänzt die DWS.

In den letzten Jahren traf dies besonders auf US-Aktien im allgemeinen und US-Technologieunternehmen im besonderen zu. Umso schmerzhafter wurde es für diese Segmente im turbulenten Jahr 2018. Technische Faktoren verstärkten den Stimmungsumschwung an den Märkten. Beispielsweise ließen die extrem niedrigen Volatilitätsniveaus von 2017 Aktien weniger riskant erscheinen, als sie es tatsächlich waren.

Steigender Risikoindikator sorgte für Zwangsverkäufe
2018 kam es zur entgegengesetzten Entwicklung: So verdoppelte sich zum Beispiel für den technologielastigen Nasdaq-100-Index die Value-at-Risk-Kennzahl im Laufe des vergangenen Jahres, sodass Großanleger gezwungen waren, in einen fallenden Markt hinein weitere Aktien zu verkaufen. Die geringe Liquidität um Weihnachten herum verschärfte die Situation zusätzlich. "All dies führte dazu, dass unser Panik-Indikator stark zurückging, bevor er sich Anfang 2019 wieder stabilisierte. Letzteres deuten wir als Signal, dass viele schlechte Nachrichten bereits eingepreist waren“, erklärt die DWS.

Eine Möglichkeit, die das Verhältnis von Bewertung und Angst nun wieder stark ansteigen ließe, wäre ein massiver Rückgang der Unternehmensgewinne, wie dies etwa 1994 der Fall war. In dieser Hinsicht ist die DWS aber nach wie vor optimistisch. "In letzter Zeit fielen die Unternehmensgewinne zwar gemischt aus, waren aber solide genug, um die nun wieder realistischeren Markterwartungen zu erfüllen. Für größere Sorgen scheint die Zeit noch nicht reif", betont die DWS abschließend. (aa)