Die DWS will grundsätzlich eine aktive Rolle bei einer möglichen Konsolidierung in der Fondsbranche spielen. Dies sagte Asoka Wöhrmann, Vorsitzender der Geschäftsführung, bei einer Investorenveranstaltung des Frankfurter Asset Managers am Dienstag (10. Dezember). "Wir werden gerne bei Übernahmen und Fusionen teilhaben, sollte sich eine passende Möglichkeit eröffnen", sagte Wöhrmann.

Allerdings müsste eine Übernahme die Kompetenzen ergänzen, die geographische Aufstellung erweitern oder neue Kundengruppen erschließen. "Übernahmen allein um der Größe willen schaffen keinen Mehrwert", so Wöhrmann. "Da gibt es bereits Negativ-Beispiele in der Branche." Ideal wären zudem Fintechs, die Innovationen in das Unternehmen einbringen könnten. Wöhrmann schränkte allerdings ungewöhnlich deutlich ein: "Wir selbst stehen nicht als Übernahmeziel zur Verfügung."

KGaA-Struktur kein Hindernis
In den vergangenen Monaten hatte der DWS-Mutterkonzern Deutsche Bank Medienberichten zufolge unter anderem mit der Schweizer Großbank UBS über eine Verschmelzung ihrer Asset-Management-Einheiten verhandelt. Die Gespräche waren aber im Sande verlaufen. Berichten zufolge war die Deutsche Bank in den Verhandlungen nicht bereit, die Kontrolle über ihre Tochter aus der Hand zu geben.

Das größte deutsche Geldhaus hatte seine Fondstochter im Frühjahr 2018 an die Börse gebracht, hält aber noch die Mehrheit der Anteile. Über die Konstruktion einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, kurz KGaA, sichert sich die Deutsche Bank den Zugriff auf die Fondsgesellschaft, selbst wenn sie weitere Anteile abgeben sollte. Die KGaA-Struktur stelle aber kein Hindernis für Fusionen oder vertiefte Kooperationen dar, betonte Wöhrmann bei der Investorenkonferenz. Vorerst liege der Schwerpunkt aber ohnehin auf einem organischen Wachstum.

Von der Mutter abnabeln
Zudem sei die DWS noch in dem Prozess, sich aus den Strukturen der Mutter zu lösen, ergänzte Operativ-Chef Mark Cullen. Das Haus sei dabei, seine eigene IT-Plattform aufzubauen sowie eigene Verträge mit Dienstleistern auszuhandeln. Übernommene Unternehmen ließen sich daher noch gar nicht richtig einbinden. Auch der Umzug aus Deutsche-Bank-Immobilien in DWS-Büros sei im Gange, erläuterte Cullen. "Dabei geht es nicht darum, in den angesagtesten Lagen vertreten zu sein, sondern an den Orten, die für unsere Mitarbeiter und Kunden am besten sind", sagte Cullen.

Im Zuge dieser Loslösung sei bereits der Grundstein für künftige Kosteneinsparungen gelegt, ergänzte Finanzchefin Claire Peel. In den kommenden zwei Jahren will das Haus 150 Millionen Euro sparen und sieht sich dabei im Plan. Auf der Einnahmenseite rechnet Peel hingegen angesichts der in der gesamten Branche sinkenden Gebühren mit einem Rückgang – angetrieben von der passiven Konkurrenz und der zunehmenden Preistransparenz im Markt. Dieser Gebührenrückgang könne letztendlich nur durch einen anhaltenden Neugeldzufluss ausgeglichen werden, so Peel. Damit sollen die Erträge über die kommenden beiden Jahre stabil gehalten werden. Für 2019 schätzen Analysten den DWS-Ertrag auf eine Höhe von 2,3 Milliarden Euro.

Digitaler Umbruch
Ob dieses Kalkül aufgeht, ist angesichts der Marktlage ungewiss. So konnte die DWS zwar in den ersten neun Monaten 2019 ein Nettomittelaufkommen von 13 Milliarden Euro verzeichnen. Im gesamten Vorjahr hatten aber unter dem Strich Abflüsse von 22 Milliarden Euro gestanden. Ein Weg für Wöhrmann, um zumindest Marktanteile zu halten, ist die Ausrichtung auf nachhaltige Investments. "Nachhaltigkeit wird zu unserem Kern gehören und essenziell für unser Unternehmen sein", so der DWS-Geschäftsführer. Zudem will das Haus in die Digitalisierung investieren.

Beim digitalen Umbruch könne die DWS zudem ihren Vertriebspartner zur Seite stehen, ergänzte Dirk Görgen, Head of Client Coverage für die Region Europa, Nahost- und Afrika. Er verwies dabei auf die gute Position der DWS bei der Depotführung von Kundenkonten. Das Haus könne hier als Servicedienstleister auftreten. Görgen verwies zudem darauf, dass die gute Neugeld-Entwicklung 2019 zu erheblichen Teilen auf die verstärkten Bemühungen um die Belange von Fondspolicen-Anbietern zurückzuführen war. (ert)