Eigentlich hätte es nach den pandemiebedingten konjunkturellen Einbußen mit dem Wirtschaftswachstum wieder bergauf gehen sollen, so die Einschätzung vieler Wirtschaftsprofis. Doch dann machte der Ukraine-Konflikt völlig unerwartet einen Strich durch diese Rechnung. Der DJE-Vorstand Ulrich Kaffarnik verdeutlichte die schwierige konjunkturelle Lage bei seinem Vortrag auf dem FONDS professionell KONGRESS in Wien.

"Es gibt einige Optimisten auf der Konsumseite", sagt der Kapitalmarktexperte bei seinem Vortrag und fährt fort: "Aber sorry, das kann ich nicht teilen." Kaffarnik verdeutlicht die missliche Lage anhand von Daten aus den USA: Die Sparquote ist dort gemessen an dem Gesamteinkommen nach zwei deutlichen Spitzen in den Jahren 2020 und 2021 von weit über 25 Prozent wieder deutlich gefallen. Und zwar unter das Ausgangsniveau im Jahr 2019, als dieser Wert bei etwas mehr als fünf Prozent lag. "Und auch in Deutschland sieht es nicht viel besser aus", betont Kaffarnik.

Inflation frisst Lohn
Das liege vor allem am realen Lohnwachstum, erklärt der Experte: "Wir sehen in den USA zwar ein Lohnwachstum, aber die Inflation frisst diese komplett auf." Mithilfe seiner mitgebrachten Grafiken veranschaulicht Kaffarnik die miesen Konsumaussichten anhand eines weiteren Beispiels: Auch die Kaufabsichten für langlebige Güter wie Immobilien oder Autos sind deutlich eingebrochen. "Und das auf einem viel höheren Niveau als bei der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 oder zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020", so Kaffarnik weiter. Wie die Folie eindrucksvoll zeigt, rangiert das Niveau der beabsichtigten Anschaffungen beinahe auf dem historischen Tief der 1980er-Jahre. 

"Inflationserwartungen gehen durch die Decke"
Auch was das BIP-Wachstum jenseits des Atlantiks betrifft, hat der DJE-Mann eher ernüchternde Nachrichten mitgebracht: Nachdem dieses im Jahr 2020 wegen der Pandemie auf circa minus fünf Prozent gesunken war, zeichnete sich zur Erleichterung aller im darauffolgenden Jahr immerhin eine Erholung (Plus 5,7 Prozent) ab. Im aktuellen Jahr lag das BIP-Wachstum zunächst immerhin noch bei rund vier Prozent, um dann aber im März weiter auf 3,7 Prozent zu sinken. Die Erwartungen für 2023 liegen bei mauen 2,5 Prozent.

Dem steht indes eine hohe Inflation entgegen: Diese lag 2021 bei 4,4 Prozent, sank im neuen Jahr auf 3,3 Prozent, um im März auf 5,1 Prozent zu klettern. Dabei handelt es sich wohl bemerkt um die Jahresinflation für 2022 in den USA, betont Kaffarnik. Im Moment liegt die Inflationsrate in den USA bei knapp acht Prozent und in Deutschland sowie in Österreich bei circa sieben Prozent.

Weniger überraschend scheint es daher, dass 51 Prozent der Investoren inzwischen von einer permanenten Inflation ausgehen. "Die Inflationserwartungen gehen durch die Decke", sagt Kaffarnik. Für ihn wurde das Preissteigerung klar unterschätzt. Entscheidend werden laut ihm in den kommenden Monaten die Energiepreise sein. Und auch bei den Lebensmittelpreisen sei keine Entspannung in Sicht. (cf)​


Interessierte Leser finden die Präsentation von DJE-Vorstand Ulrich Kaffarnik hier.