Die US-Notenbank will ihre weiteren Zinsschritte von der Wirtschaftsentwicklung abhängig machen. Fed-Chef Jerome Powell hat sogar angedeutet, dass die Notenbank ihre Bilanz erneut ausweiten könnte. Anleger reagierten, indem sie jeglichen weiteren Zinsschritt für das laufende Jahr auspreisten. "Die Erwartungen bezüglich der US-Zinsen haben das Potenzial, Aktienpreise massiv zu beeinflussen", sagt Blackrock-Kapitalmarktstratege Martin Lück. Er verweist auf die seit Jahresbeginn um rund acht Prozent gestiegenen Kurse – und mahnt zur Vorsicht.

Dem Kapitalmarktstrategen drängen sich dieser Tage Parallelen zum Februar-Crash des vergangenen Jahres auf. Zunächst ging es mit den Kursen steil nach oben, bevor die kalte Dusche kam. Damals waren die Erwartungen der Anleger zwar genau andersherum: Die erwarteten Effekte der US-Steuerreform gepaart mit Inflationsängsten verleiteten Investoren dazu, auf eine restriktivere Notenbankpolitik und damit stärker schwankende Aktienkurse zu setzen. "Doch auch diesmal sind die Märkte angesichts der Zurückhaltung der Fed verblüffend sorglos unterwegs", so Lück.

US-Aktien behalten ihren Vorsprung
Ob die Fed wirklich das gesamte Jahr die Füße stillhält, weiß niemand. Immerhin läuft der US-Arbeitsmarkt weiter auf Hochtouren, die Industrie scheint weiter von den Steuersenkungen zu profitieren. Die Makro-Situation ist keineswegs schlecht. "Gut möglich, dass schon in wenigen Monaten der Blick auf die Leitzinsen wieder ein anderer ist", sagt der Blackrock-Experte. Er rechnet damit, dass sich die Gewinne von US-Unternehmen weiterhin solide entwickeln und US-Aktien auch im laufenden Jahr besser abschneiden als europäische Titel. (fp)