Noch ist ungewiss, welche Folgen der Ukraine-Krieg auf die Weltwirtschaft haben wird. In einer Sache sind sich Finanzexperten wie Daniel Hartmann allerdings einig: "Die Inflation erfährt einen weiteren Schub – und zwar nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig", erwartet der Chefvolkswirt vom Vermögensverwalter Bantleon. Die 2020er Jahre seien laut dem Experten ein Jahrzehnt, in dem der Inflationsdruck deutlich zunimmt. 

Grund für die anziehende Teuerung sind vor allem politische Konsequenzen als Reaktion auf Putins Einmarsch in die Ukraine. Schon jetzt sei nämlich klar, dass der Angriff einen globalen Rüstungswettlauf auslösen wird. Deutschland will der Bundeswehr zum Beispiel zusätzliche 100 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, allerdings ohne auf die bestehende Staatsverschuldung Rücksicht zu nehmen. "Damit setzt sich eine Tendenz fort, die bereits die Corona-Krise zutage förderte", erklärt Hartmann. Solide Staatsfinanzen geraten ins Hintertreffen, stattdessen werden Unmengen an Geld ausgeschüttet. "Das viele Geld trifft auf eine Wirtschaft, die vielerorts bereits voll ausgelastet ist", bemängelt der Finanzprofi. Steigende Preise wären zwangsläufig die Folge. 

Europas Autarkiestreben befeuert Preise zusätzlich 
Ein weiterer Inflationstreiber ist die akute Energieproblematik. "Wladimir Putin hat es geschafft, den Europäern russisches Gas und Öl zu verleiden", sagt Hartmann. Europäische Länder werden daher künftig stattdessen auf andere Anbieter oder Flüssiggas zurückgreifen. Darüber hinaus dürfte auch der Ausbau erneuerbarer Energien wieder an Fahrt aufnehmen, prognostiziert der Finanzexperte. Damit seien jedoch automatisch für Unternehmen und Konsumenten erstmals zumindest höhere Kosten verbunden.

Darüber hinaus wird nicht zuletzt mit Beginn des Krieges deutlich, dass Europa zunehmend autark sein will. "Nicht nur im Energiesektor, sondern auch im medizinischen und technologischen Bereich wollen die Europäer die Produktion heimholen", sagt Hartmann. "Damit schreitet die Deglobalisierung weiter voran, was die Produktionsprozesse zwangsläufig teurer macht." (fp)