Bereits zum fünften Mal stellten sich Topexperten der Finanzbranche auf dem FONDS professionell KONGRESS in Wien den Fragen des vielfach ausgezeichneten Journalisten Armin Wolf. Neben zahlreichen spannenden Themen wollte Wolf auf der Podiumsdiskussion ebenso wissen, welchen Irrtümern den Diskutanten im herausfordernden Börsenjahr 2018 unterliefen.

"Anleger können sich entspannt zurücklehnen"
Trotz der angespannten Börsensituation hatten die Teilnehmer in Wolf's Revier auch durchaus Anekdoten parat. So hätte DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen in einem seiner Schriftstücke lieber nicht getitelt: "Warum sich Anleger jetzt entspannt zurücklehnen können." Und Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch räumte ein, er hätte besser auf seine hauseigenen Analysten gehört.

Neben dem ein oder anderen Schwank wurden selbstverständlich ebenso ernsthafte Themen diskutiert. Nach dem schlimmsten Dezember auf dem US-Aktienmarkt seit 80 Jahren und einem darauffolgenden fulminanten Jahresstart 2019 wollte Wolf wissen, ob nun alles wieder gut sei. Jens Ehrhardt, Gründer von DJE Kapital, habe Angst gehabt, dass die Notenbanken die Märkte "kaputt bremsen". Weil sich die Situation aber inzwischen um 180 Grad gedreht habe, sehe es nun ganz anders aus. "Man kann optimistischer sein", so die Fondsmanager-Legende.

"Kann nur schlimmer werden"
Die Unicredit-Bank-Austria-Private-Banking-Chefanalystin Monika Rosen sieht die Sache anders: "Nach diesem Jahresstart kann es nur schlimmer werden." Sie gab zu bedenken, dass sich die Gewinndynamik inzwischen einbremse und die Branche zehn Jahre nach dem letzten Tief die längste Rally überhaupt erlebt hatte. Sich bereits im Oktober defensiver aufgestellt hatte übrigens die Kathrein Bank, wie Vorstandsmitglied Harald Holzer erzählte. Mit Verweis auf eine drohende Rezession bleibe das Haus auch weiterhin vorsichtig.

Vorndran beobachtet hingegen vor allem den Handelskonflikt zwischen den USA und China genau. Sollte der Konflikt gelöst werden, fürchtet er, dass der US-Präsident Donald Trump anschließend auf Europa losgehe. "In Kombination mit dem Brexit wäre das für Europa verheerend", gab Vorndran zu bedenken. Grundsätzlich sah die Expertenrunde den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) aber gelassen.

Kaldemorgen meinte, dass man die Folgen des Brexit zwar nicht abschätzen könne, dass es am Ende aber egal sei, ob England Teil der EU ist. Für Ehrhardt spielt der Brexit für die Weltbörsen keine Rolle. Auf die Schwellenländer könne sich der Brexit sogar positiv auswirken. "Deshalb ist es wichtig, breit diversifiziert zu sein", mahnte Ehrhardt.

Europäische Union ist alternativlos
Vorndran findet übrigens, dass das Thema Brexit falsch diskutiert wird. Er erwartet nach dem UK-Austritt große politische Verschiebungen und würde es viel wichtiger finden, über die Strukturen der EU und des Euro nachzudenken. Hier hakte Kaldemorgen sofort ein und betonte, dass sowohl der Euro als auch die europäische Gemeinschaft alternativlos seien, weil die einzelnen Staaten auf dem alten Kontinent nicht mit Großmächten wie den USA und China konkurrieren können.

Ähnlich sah es auch Holzer: Er denkt, dass sich England nach dem Brexit binnen drei Jahren wirtschaftlich erholt haben wird. "Ich vermisse aber Reformen in der EU, anders sehe ich schwarz", sagte Holzer. (cf)