Die Besucher des zweiten Eröffnungsvortrags auf dem FONDS professionell KONGRESS in Wien durften einmal mehr eine hochkarätige Podiumsdiskussion auf der Kongressbühne erwarten: Bereits zum sechsten Mal stellten sich Topexperten der Finanzbranche den Fragen des prominenten und vielfach ausgezeichneten Journalisten Armin Wolf. Das brandaktuelle Thema "Coronavirus" stand dabei im Zentrum der Diskussion.

Freilich hatten es die Diskussionsteilnehmer dabei in diesem Jahr wegen der noch kaum erforschten Krankheit besonders schwer, einen Ausblick auf die Kapitalmärkte für die kommenden Wochen und Monate zu formulieren. Weil wegen Corona aber auch die Börsen an einer Grippe leiden, wollte Wolf dennoch wissen, wie es nach Meinung der Expertenrunde nun weitergehen wird. DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen erwartet, dass "da noch etwas kommt". Er sieht die Epidemie als Krisenszenario, bei dem die Börsen durchaus auch bis zu 20 Prozent korrigieren könnten. "Wenn das Virus aber wieder abebbt, kann es schnell wieder nach oben gehen", zeigt sich Kaldemorgen optimistisch.

Keine Weltuntergangsstimmung
Beatrice Schobesberger, die das Private Banking der Erste Bank leitet, erzählt wiederum von zahlreichen verunsicherten Kunden, die mit dem Gedanken spielen, ihre Positionen zu verkaufen. "Wir raten dringend davon ab", sagt Schobesberger und rät, Ruhe zu bewahren. Sie verweist auf das hauseigene Research, welches diese Risiken selbstverständlich im Blick hat. "Schließlich weiß man nicht, wie lange diese Unsicherheit anhalten wird", so Schobesberger weiter. Ähnlich sieht es auch Luca Pesarini, Vorsitzender des Verwaltungsrates von Ethenea , der die Panik an den Märkten nicht teilt, wie er betont. Er sieht die Erkrankung als Auslöser für eine Korrektur "nach einem tollen Jahr 2019", wie er betont. Pesarini rechnet damit, dass die Verunsicherung an den Märkten und damit einhergehende Korrekturen noch zwei bis drei Monate dauern werden.

Die Weltuntergangsstimmung teilt ebenso wenig Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch. Er räumt aber ein, dass es kurzfristige ökonomische Effekte geben wird. So etwa Veranstaltungen, die wegen des Virus abgesagt werden müssen. "Bedenken Sie, was so etwas an Geld kostet", gibt Vorndran zu bedenken. Da pflichtet auch Ulrich Kaffarnik, Vorstand Fondsmanagement & -handel von DJE Kapital, bei. Er verweist auf den wirtschaftlichen Stillstand, der derzeit in China herrscht und fährt fort: "Stellen Sie sich vor, für das iPhone fehlt ein einziges Teilchen, welches in China hergestellt wird." Daher sei es auch nicht auszuschließen, dass es in Europa zu Produktionsengpässen kommt. "Die Stimmung hat sich eindeutig verschlechtert", so der Fondsprofi.

"Nach einer Korrektur werden wir bestimmt zukaufen"
Wolf wollte daraufhin wissen, warum die Expertenstimmung sich dennoch grundsätzlich optimistisch zeigt. Das ist für Vorndran schnell beantwortet: "Ein paar Prozent im Plus ist natürlich besser als eine Null." Schließlich werde es trotz dem Virus Unternehmen geben, die nach einer gewissen Zeit wieder Gewinne schreiben werden. Auch Kaldemorgen räumt ein, dass sich die Erkrankung auf die Wirtschaft auswirken wird. "Was mich aber eher beunruhigt: Was ist, wenn die Wirtschaft still steht. Die Leute müssen ja trotzdem essen und trinken. Mit den Engpässen würde wiederum die Inflation steigen", gibt Kaldemorgen zu bedenken.

Aber was sei nun zu tun, hakte Wolf weiter nach: "Sollen wir nun Aktien von Nudelherstellern kaufen?" Für Kaffarnik ist klar, dass es noch etwas dauern wird, bis Anleger begreifen, dass der Hype von 2019 vorüber ist und erklärt: "Es wird dauern, bis sich die Leute darauf einstellen." Vorndran sieht die derzeitigen Risiken indes eher pragmatisch: "Man muss sich eben überlegen, welche Firmen bald vor der Pleite stehen werden, etwa Reise- oder Fluggesellschaften." Wenn der Markt um 20 Prozent korrigiert, werde sein Unternehmen bestimmt zukaufen, so Vordran weiter. "Aber eben Firmen, bei denen wir davon ausgehen können, dass es sie in zwölf Monaten noch gibt.“

Am wichtigsten sei es weiterhin, mit den Kunden zu kommunizieren und ihnen zu erklären, wie man am besten ein Portfolio aufbaut, betont Kaldemorgen und spricht dabei eine breite Diversifikation an. Dem pflichtet auch Schobesberger zu, die wiederum erklärt, dass ihre Kunden sich durchaus mit zwei Prozent Rendite zufrieden zeigen, wenn das Portfolio entsprechend abgesichert ist. (cf)