Joseph Stiglitz, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, erklärte bei einem Gespräch mit "Bloomberg" im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos, dass die Zentralbanken "völlig unvorbereitet" auf die Krise seien. Der Preisanstieg ist laut dem Nobelpreisträger "um Längen schlimmer" als in den 1970er-Jahren, weil "es nicht nur um Öl geht, sondern um Lebensmittel, Öl und Lieferstörungen durch Covid-19".

"Lasst uns diesen Fehler nicht vergessen"
Nach Ansicht von Harvard-Professor Jason Furman kehren wir "zurück zu einer früheren Ära der Geldpolitik. Die enorme Priorisierung von Beschäftigung gegenüber der Inflation – das wird gerade alles über den Haufen geworfen", so der ehemalige oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama gegenüber der Nachrichtenagentur. "Das wird eine einschneidende Erfahrung. Wenn die Inflation in den nächsten sechs Monaten nicht verschwindet, wird das eine Episode, an die sich Zentralbanker noch in 20 oder 30 Jahren mit den Worten 'Lasst uns diesen Fehler nicht vergessen' erinnern werden."

Lagarde sollte "aus politischen Gründen eher taubenhaft" sein
Allerdings sind die Schocks nach Einschätzung von Furman je nach Region unterschiedlich. In den USA müsse die Fed stärker straffen, da die Inflation dort eher hausgemacht sei. EZB-Chefin Christine Lagarde dagegen sollte "aus politischen Gründen eher taubenhaft" sein, da Europa mit einem vorübergehenden Energiepreisschock konfrontiert sei und in der Frage der russischen Invasion der Ukraine geeint bleiben müsse. Fiskalische Unterstützung sollte auf Niedrigverdiener in der Einkommensgruppe der untersten 20 Prozent begrenzt bleiben, so Furman. Breitere Unterstützung wie Mehrwertsteuersenkungen würden nur die Inflation noch weiter anheizen. (mb)