FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
zu einemAufbau von Bürokratie geführt, die wenig oder nur indirekt zur Stabili- tät des Finanzsystems beiträgt. Es gibt aus meiner Sicht durchaus Spielraum, EHVWLPPWH %HULFKWVSijLFKWHQ XQG ĞEHU- schießende bürokratische Anforderungen zu reduzieren. Diese Einschätzung habe QLFKW QXU LFK %HLP LQIRUPHOOHQ 7UHȬHQ der EU-Finanzministerinnen und -minis- ter in Kopenhagen gab es eine breite Diskussion über die Vereinfachung und Entschlackung von Regulierung. Die grundsätzliche Haltung war sehr klar: Wir wollen die hohen Standards in Bezug auf Resilienz und Stabilität unbedingt erhalten – aber dort, wo Vereinfachung möglich ist, sollten wir sie auch nutzen. Sowohl die EZB als auch die Europäische Kommission und andere Aufsichtsbehör- den arbeiten an konkreten Vorschlägen. Ich gehe davon aus, dass wir im Lauf des nächsten Jahres weitere Schritte sehen werden, die die Bürokratielast für beauf- sichtigte Institute reduzieren – ohne die Stabilität des Systems zu schwächen. Österreich wird immer wieder vorgewor- fen,sogenanntes„Gold-Plating“zubetreiben – also über EU-Vorgaben hinauszugehen. Wäre das nicht ein logischer Ansatzpunkt, umBürokratieabzubauen? Gold-Plating zu vermeiden, ist auf jeden )DOO HLQ ZLFKWLJHU 3XQNW ł XQG GDV EHWULȬW nicht nur das Aufsichtsrecht, sondern etwa auch konsumentenschutzrechtliche Bestimmungen und andere Bereiche. Im Einzelfall kann es durchaus gute Gründe geben, nationale Regeln strenger als euro- päische Mindeststandards auszugestalten. Aber systematisch sollte man das nicht tun. Sonst entsteht genau das, was Sie ansprechen: mehr Regulierung als nötig und teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Staaten. Für größere Ban- ken, die in mehreren Ländern aktiv sind, erhöht das die Komplexität und kann zu Wettbewerbsnachteilen führen. Sie haben den Immobilienmarkt erwähnt. In Österreich war das in den letzten Jah- ren ein sehr sensibles Thema – mit stark steigenden Preisen, dann einem abrupten Rückgang der Nachfrage und zusätzlich derKIM-Verordnung.WiebeurteilenSiedie aktuelle Lage? Am Wohnimmobilienmarkt sehen wir eine Stabilisierung. Konjunkturell gibt es erste positive Signale: Das Kreditvolumen nimmt wieder zu, die Nachfrage zieht langsam an. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Zinsen im Vergleich zumHöhepunkt inzwischen wieder nied- riger sind. Wir haben uns auch die Leist- barkeit vonWohneigentum genauer ange- sehen. Sie hat sich gegenüber von vor drei Jahren verbessert – auch wenn das sub- jektiv manchmal anders wahrgenommen wird. Das hängt mit demZusammenspiel von Immobilienpreisen und Realeinkom- men zusammen. Es wird trotzdem noch einige Zeit dauern, bis der Markt wieder voll in Fahrt kommt. Die KIM-Verordnung kam in einer Phase, in derohnehinvieledämpfendeFaktorenwirk- ten.War dasnicht sehr prozyklisch? Es stimmt, dass die KIM-Verordnung in eine Phase gefallen ist, in der auch der Zinsanstieg die Kreditnachfrage stark belastet hat. Damit war die Wirkung auf das Neugeschäft deutlich. Grundsätzlich muss man bei solchen Instrumenten sehr genau auf den Zeitpunkt achten. Das Ziel ist ja, Überhitzungen zu verhindern, und nicht, eine ohnehin schwache Nachfrage zusätzlich zu dämpfen. VielenDank für dasGespräch. GEORG PANKL FP KURZ-V I TA : Martin Kocher hat sein Diplom- und Doktoratsstudiuman der Univer- sität Innsbruck absolviert. Danachwar er anmehreren internationalen Universitäten tätig. Über vier Jahre lang hat er als Direktor am Institut für Höhere Studien inWien gearbeitet undwar Präsident des Fiskalrats. Anfang 2021 wurde er als parteifreier Experte Bundesminister für Arbeit. ImMai 2022wurde ihmzusätzlich dasWirt- schaftsressort übertragen. Seit September 2025 ist er Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank. » Es gibt aus meiner Sicht durchaus Spielraum. « Martin Kocher, OeNB-Gouverneur BANK & FONDS Martin Kocher | OeNB-Gouverneur 254 fondsprofessionell.at 4/2025 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL
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