FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025

Das Wirtschaftswachstum ist in Europa im Moment eher verhalten. Woher kommt dieseWachstumsschwäche Ihrer Meinung nach? Viele Expertinnen und Experten würden sagen: Die aktuell eher niedrigen Wachs- tumsraten in Europa haben nur teilweise mit den Krisen der letzten Jahre oder mit der Geld- oder Fiskalpolitik zu tun. Ein wesentlicher Teil ist strukturell bedingt. Wir sehen tiefgreifende Veränderungen: LP:HOWKDQGHO LQ GHU 'HPRJUDljH ł 6WLFK- ZRUW $OWHUXQJ GHU %HYĆONHUXQJ ł XQG LQ der technologischen Entwicklung. All das erfordert Anpassungen in unseren Volks- wirtschaften. In den vergangenen fünf Jahren standen wir stark im Zeichen der .ULVHQEHZÌOWLJXQJ ł 3DQGHPLH (QHUJLH- NULVH JHRSROLWLVFKH 6SDQQXQJHQ 'DGXUFK LVW GLH $XIPHUNVDPNHLW IĞU 6WUXNWXU- reformen teilweise in den Hintergrund gerückt. Aber es ist klar, dass wir diese Reformen brauchen: auf nationaler Ebene, aber auch auf Ebene der Europäischen Union. Es geht beispielsweise um Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, um Investitio- nen in Digitalisierung und Energiewende, XP $UEHLWVPDUNW XQG 6WDQGRUWSROLWLN Die Geldpolitik kann dafür nur stabile 5DKPHQEHGLQJXQJHQ VFKDȬHQ ł DEHU VLH kann diese notwendigen strukturellen Verbesserungen nicht ersetzen. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 steht immer wieder die Frage im Raum: Wie krisensicher sind unsere Banken? Wir haben gerade unseren 50. Finan- FLDO 6WDELOLW\ 5HSRUW SUÌVHQWLHUW ł GDV ist der Bericht der Oesterreichischen 1DWLRQDOEDQN ]XU 6WDELOLWÌW GHV )LQDQ]- V\VWHPV 8QG GD NDQQ PDQ VDJHQ *OĞFN- licherweise hat sich vieles sehr positiv ent- wickelt. Natürlich ist nicht alles perfekt, aber wennman sich die Kapitalquoten der Banken und ihre Resilienz ansieht, dann stehen wir heute deutlich besser da als vor zehn Jahren. Und das trotz der schwieri- gen Jahre, die hinter uns liegen. Österreich liegt bei den Kapitalquoten und bei der Widerstandsfähigkeit der Banken über dem Durchschnitt des Euroraums. Das heißt aber nicht, dass die Arbeit erledigt LVW ł $XIVLFKW XQG %DQNHQ PĞVVHQ NRQWL- nuierlich daran arbeiten, Risiken im Blick ]X EHKDOWHQ (LQ 6HJPHQW GDV ZLU EHVRQ- ders beobachten, ist der Immobilienbe- reich, speziell Gewerbeimmobilien. Dort NĆQQHQ 6WUXNWXUZDQGHO XQG NRQMXQNWX- UHOOH 6FKZÌFKH ]X HUKĆKWHQ 5LVLNHQ EHL Krediten führen. Aber insgesamt ist der österreichische Bankensektor gut und resi- lient aufgestellt. Das ist eine wichtige und positive Botschaft. Gilt diese Einschätzung im Großen und Ganzenauch für denRest Europas? Ja, grundsätzlich schon. Die konsequente Umsetzung strengerer Regulierung nach der Finanzkrise hat im Zeitverlauf dazu geführt, dass der europäische Bankensek- tor deutlich stabiler geworden ist. Natür- lich gibt es Unterschiede zwischen den Ländern, aber insgesamt ist die Resilienz heute wesentlich höher. Wir müssen auch für die nächsten Jahre damit rechnen, dass es immer wieder zu Krisen kommen kann ł LQ JDQ] XQWHUVFKLHGOLFKHQ %HUHLFKHQ 'D ist ein stabiler Bankensektor eine zentrale Voraussetzung. Wir haben zum Beispiel 6WUHVVWHVWV GXUFKJHIĞKUW LQ GHQHQ ZLU 6]H- narien für Österreich simulieren: etwa eine OÌQJHUH WLHIH 5H]HVVLRQ 1LHPDQG KRȬW GDVV GDV HLQWULWW ł DEHU JHQDX GDUXP JHKW HV EHLP 6WUHVVWHVW 8QG VHOEVW LQ HLQHP VRO- FKHQ 6]HQDULR ZĞUGHQ GLH .DSLWDOTXRWHQ der österreichischen Banken über dem Niveau liegen, das wir vor zehn Jahren hatten. Das ist auch ein Ergebnis der ver- gangenen Jahre, in denen die Banken ihre Gewinne zu einem guten Teil genutzt haben, um ihr Eigenkapital zu stärken. Nach der Finanzkrise wurde viel reguliert – manche sprechen inzwischen von Über- regulierung und enormer Bürokratie. Sind hierkonkreteEntlastungsschrittevonnöten? Regulierung hat in manchen Bereichen » Aber es ist klar, dass wir diese Reformen brauchen. « Martin Kocher, OeNB-Gouverneur fondsprofessionell.at 4/2025 253 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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