FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
Inflation im Griff, Banken stabil, geopolitische Spannungen bleiben: Seit Herbst sitzt Martin Kocher als Gouverneur der Oesterreichi- schen Nationalbank im Rat der EZB – und erlebt die Geldpolitik dort aus nächster Nähe. D ie Zeit der extrem niedrigen Zinsen ist vorbei, die Phase der schnellen Zinsschritte ebenfalls – doch die geld- politische Ruhe ist trügerisch. In Europa kämpft man mit schwachem Wachstum, alternden Gesellschaften und einer ange- spannten geopolitischen Lage, während VLFK GLH ,QijDWLRQVUDWHQ ODQJVDP QRUPD- lisieren. Genau in dieser Übergangsphase hat Martin Kocher als neuer Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank seine Arbeit im EZB-Rat aufgenommen. Öster- reich steht dabei in einem besonderen 6SDQQXQJVIHOG KĆKHUH ,QijDWLRQ DOV LP Euroraum, ein sensibler Immobilienmarkt und eine Wirtschaft, die stark vomExport abhängt. Im Interview ordnet Kocher diese Herausforderungen ein und erklärt, warum vieles von den strukturellen Fakto- ren Europas geprägt ist. HerrKocher,SiesindseitSeptemberimAmt und haben bereits an Sitzungen des EZB- Rats teilgenommen. Nehmen Sie uns doch einmalmit in IhrenneuenAlltag:Wiehaben Sie die ersten Monate als Gouverneur und EZB-Ratsmitgliederlebt?Wiemussmansich dieseArbeit konkret vorstellen? Zunächst einmal wurde ich im Rat sehr freundlich aufgenommen, das war ein guter Start. Wir sehen einander relativ KÌXljJ 'LH 5DWVVLW]XQJHQ ljQGHQ HWZD DOOH GUHL :RFKHQ VWDWW WHLOV YLUWXHOO ]X HLQHP JXWHQ 7HLO DEHU DXFK LQ 3UÌVHQ] 'DGXUFK lernt man die Kolleginnen und Kollegen VFKQHOO NHQQHQ ł XQG PDQ OHUQW GLH 'LV- NXVVLRQVNXOWXU GRUW ZLUNOLFK ]X VFKÌW]HQ Inhaltlich wird sehr stark mit Prognosen und detaillierten Analysen des wirtschaft- OLFKHQ 8PIHOGV JHDUEHLWHW ]XP HLQHQ PLW den Modellen und Projektionen des EZB- 7HDPV ]XP DQGHUHQ PLW MHQHQ GHU QDWLR- nalen Notenbanken. Auf dieser Basis wer- den die geldpolitischen Entscheidungen YRUEHUHLWHW XQG JHWURȬHQ 0HLQ (LQGUXFN LVW 'HU (=% 5DW LVW HLQ *UHPLXP GDV natürlich schlagkräftig sein muss, gleich- ]HLWLJ DEHU NRQVHTXHQW YHUVXFKW PĆJOLFKVW EUHLWHQ .RQVHQV KHU]XVWHOOHQ 0DQ GLVNX tiert intensiv, manchmal auch kontrovers, DEHU LPPHU DXI %DVLV YRQ 'DWHQ XQG Argumenten. Wie stark ist dieserWille zumKonsens tat- sächlich spürbar? Ist es schwierig, sich in diesemGremiumzueinigen? Ich habe noch keinen sehr langen histori- schen Vergleich, aber mein bisheriger Ein- druck ist: Mit guten Argumenten kann PDQ LP 5DW ¶EHU]HXJXQJVDUEHLW OHLVWHQ – in beide Richtungen, egal wie komplex GLH /DJH LVW ,Q GHQ OHW]WHQ 6LW]XQJHQ ZDU die Ausgangslage allerdings nicht beson- GHUV VFKZLHULJ 'LH (=% KDW LKU =LHO HLQHU ,QijDWLRQVUDWH YRQ UXQG ]ZHL 3UR]HQW LP Euroraum im Wesentlichen erreicht. Wir ODJHQ LP 2NWREHU EHL HWZD 3UR]HQW für das nächste Jahr wird eine Rate knapp XQWHU ]ZHL 3UR]HQW SURJQRVWL]LHUW 0LW %OLFN DXI GLH ,QijDWLRQVEHNÌPSIXQJ VLQG wir also in etwa dort, wo wir sein wollen. 'DKHU JDE HV ]XOHW]W NHLQH JURĕH 'HEDWWH über akuten Handlungsbedarf. Natürlich unterscheiden sich teilweise die Einschät- ]XQJHQ ZLH JURĕ EHVWLPPWH 5LVLNHQ VLQG die in diesen Prognosen stecken, und wie stark man sie gewichten sollte. „Gold-Plating zu vermeiden, ist ein wichtiger Punkt “ » Mit guten Argumenten kann man im Rat Über- zeugungsarbeit leisten – in beide Richtungen. « Martin Kocher, OeNB-Gouverneur BANK & FONDS Martin Kocher | OeNB-Gouverneur 250 fondsprofessionell.at 4/2025 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL Martin Kocher ist Eröffnungsredner! 4.+5.März Wien 2 0 2 6 KONGRESS
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