FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025

um ihre Vorsorge überwiegend selbst kümmern müssen.“ So spannend der Passiv-Boom ist, er wirft auch eine Frage auf: Was bedeutet er für die Beziehung der Gesellschaften zum selbstständigen Vertrieb? Für die Berater sind ETFs eine Herausforderung, weil im Unterschied zu klassischen gemanagten Fonds meist keine Bestandsprovisionen fließen. Ignorieren kannman die Produkte angesichts der starken Kundennachfrage jedoch nicht. ETFs würden die Vermitt- lerwelt ändern, sagt Baron. „Ich glaube, dass die Beratung immer häufiger hono- rarbasiert sein wird. Das ist, was wir in den USA gesehen haben“, so die Expertin. Ganz durch die Finger schauen müssen aber auch provisionsbasierte Berater nicht. „Was die Abschlussprovision betrifft, gibt es die Möglichkeit, eine Ticket Fee mit Depotbanken zu vereinbaren“, erklärt Franklin Templetons Österreich-Vertriebs- chef Karl Banyai. Die gewerblichen Bera- ter seien unverzichtbar, so Banyai. Modellportfolios Allerdings könnte das Kosten- und ETF- Thema auch bei den Produktkonzepten einiges verändern. Potenzial sehe sie beim Einsatz von Modell- oder Musterport­ folios, sagt ETF-Profi Baron, die davor bei BlackRock iShares und Invesco Power­ Shares leitend tätig war. Dabei geht es um zugeschnittene, aber standardisierte Ver- anlagungskonzepte, die die Fondsgesell­ schaften verwalten und mit denen der Vertrieb effizient viele Kunden gleichzei­ tig bedienen kann. Berater können daraus etwa reine ETF-Modelle erstellen oder eine Mischung aus passiv und aktiv. Gemein- sammit den Plattformen arbeite man am Ausbau solcher Lösungen, so Baron. Im Unterschied zu manchen anderen Anbietern setzt Franklin Templeton bei den Musterportfolios auf Wunsch auf eine offene Architektur: Eigen-ETFs sind dann nur ein Baustein gemeinsam mit Drittanbietern. Insgesamt machen ETFs bei Franklin Templeton in Österreichmomentan einen kleineren Anteil aus: Von den rund 350 hierzulande zugelassenen Publikumsfonds sind 39 ETFs. „Wir sind eine aktive Ver- mögensverwaltungsgesellschaft, die nach wie vor für ihr traditionelles Investment- fondsgeschäft bekannt ist“, betont Baron. Man entwickle sich aber nun über das traditionelle Geschäft hinaus in Bereiche mit „enormemWachstum“. Stark aktiv orientiert bleibt die Gesell- schaft auch bei ETFs. In dem Sektor nimmt gerade der Anteil an Produkten zu, die eine aktive Komponente einflechten (etwa optimierte Titelgewichtung, Vola- tilitätssteuerung etc.). „50 Prozent der ETF- Zuflüsse in den USA bekommt Franklin Templeton bereits aus aktiven Produkten“, sagt Baron. Das liege deutlich über dem US-Schnitt von rund 30 Prozent. Im deutschsprachigen Raum wird die Diskussion über aktive ETFs erst seit heuer richtig breitenwirksam geführt. „Es hat unsere größte Aufmerksamkeit, diesen Spalt zwischen klassischen Fonds und den Index-ETFs zu füllen“, so Baron. Bei akti- ven Fixed-Income-ETFs gehörte Franklin Templeton mit Auflagen ab 2013 zu den Vorreitern. Seit kurzem gibt es auch aktiv gemanagte Aktien-ETFs. Emerging Markets Inhaltlich knüpft das Unternehmen bei den börsengehandelten Fonds an seine Wurzeln an: Als Emerging-Markets-Pio- nier steht dieses Thema auch an der Spitze der ETF-Schiene. Einzelländer-Produkte von China über Taiwan, Korea bis Saudi- Arabien zieren die Titelliste gemeinsam mit breiten Emerging-Markets-Produkten. Mit dem Schwerpunkt will man sich in der US-Aktienmarkt-lastigen ETF-Bran- che abheben. Untermauert wird dieser Standpunkt mit dem Ziel der Kostenfüh- rerschaft bei Schwellenländerprodukten. „Wir haben die kosteneffizientesten ETFs in dem Bereich“, sagt Martin Bechtloff, Vizepräsident für den ETF-Vertrieb. Die Verwaltungskosten in den Einzelländer- Fonds liegen zwischen 0,09 und 0,19 Pro- zent. Prominent in die Auslage gestellt wird hierzulande zudem der European Quality Dividend UCITS ETF, der zuletzt hohe Performances bei geringer Volatili- tät lieferte. Mit einer Sharpe Ratio von über 1,1 hat der Fonds in den letzten fünf Jahren eine klare Mehrrendite zum risiko- losen Marktzins abgeliefert. Franklin Templeton hat nach starken Jahren Marktanteile eingebüßt. Deutsch- land mit Österreich bildet für die Kalifor- nier den zweitgrößten Markt außerhalb der USA. Der neue Head of Germany and Austria, Christian Machts, hat Spielraum für eine personelle und Marketingexpan- sion erhalten. „Im nächsten Jahr ergänzt eine neue Mitarbeiterin das Team“, kün- digte Österreich-Sales-Chef Banyai an. Neben ihm und Monika Reisinger steht damit eine weitere Ansprechpartnerin vor Ort bereit. EDITH HUMENBERGER-LACKNER FP fondsprofessionell.at 4/2025 211 FOTO: © MARKUS BACHER PHOTOGRAPHER | FONDS PROFESSIONELL » Es gibt die Möglichkeit, eine Ticket Fee mit Depotbanken zu vereinbaren. « Karl Banyai, Franklin Templeton

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