FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
einzuschränken, ist vernünftig. Kritisch sehe ich mögliche Folgen auf die Finan- zierung der ersten Säule bei steuerlichen Förderungen der anderen Säulen. Die sozialen oder gesellschaftspolitischen Ziele hinter der Förderung gewisser Produkte und damit auch bestimmter Personen- gruppen müssen diskutiert werden. Es gibt eine Vielzahl von Produkten in der dritten Säule, hier ist eine staatliche För- derung jedenfalls nicht angebracht. Bei der betrieblichen Vorsorge sehe ich das anders: Die Transparenz und das Potenzial im Bereich der Mitarbeitervorsorgekassen sollten verbessert werden. Breitere Veran- lagungsoptionen, bessere organisatorische Bedingungen oder mehr Information können sinnvoll sein. ImSeptember hat die Regierung beschlos- sen, dass die Pensionen heuer bis 2.500 Euro mit 2,7 Prozent an die Inflation ange- passt werden. Wer darüber liegt, bekommt nureinenFixbetragvon67,50Euro.DasBud- get istklamm.Abersindsolchegestaffelten Anpassungensozial gerecht? Das Wifo sagt seit 20 Jahren, dass es nicht sinnvoll ist, die Pensionsvalorisierung an einem einzigen Indikator – momentan GLH ,QijDWLRQ ł DXI]XKÌQJHQ :HQLJH /ÌQ- der in Europa machen das so. Die meis- ten haben mehrere Indikatoren: Teue- UXQJ /RKQHQWZLFNOXQJ )LQDQ]ODJH GHV Sozialversicherungssystems oder auch die /HEHQVHUZDUWXQJ ,FK SOÌGLHUH GDIĞU GDV Valorisierungssystem neu aufzustellen, damit die Preise nicht so stark durch- schlagen und man andererseits die wirt- schaftliche Performance wieder einbezie- hen kann. Damit würden Wohlstands- zuwächse bei den Pensionen ankommen, ZHQQ VLFK GLH /ĆKQH JXW HQWZLFNHOQ 8QG DXI GHU DQGHUHQ 6HLWH 'LHVH JHVWDȬHOWH Anpassung war übliche politische Praxis in den letzten zwei Jahrzehnten. Geringere Pensionen wurden meist höher angepasst und die höheren weniger. Insofern ver- stehe ich die Aufregung heuer nicht ganz. Viele sehen darin eine Gerechtigkeitsfrage nach dem Motto: Wer sich anstrengt, der hat eine höhere Pension, zahlt aber syste- matischdrauf. Ich halte das Argument für nicht zu Ende gedacht. Einerseits gibt es unterschiedliche Beitragssätze zur Pensionsversicherung. /DQGZLUWVFKDIWVYHUVLFKHUWH ]DKOHQ 3UR- ]HQW HLQ 8QVHOEVWVWÌQGLJH 3UR]HQW 6HOEVWVWÌQGLJH 3UR]HQW $OOH HUKDOWHQ aber den gleichen Betrag am Pensions- konto. Das Argument „Wir haben mehr einbezahlt“ gilt also nicht. Andererseits JLOW LQ GLHVHU /RJLN QXU (UZHUEVHLQNRP- men als Anstrengung. Die Sorgearbeit und die Kinderbetreuung, die oft Frauen OHLVWHQ ZÌUHQ GHPQDFK NHLQH /HLVWXQJ Die ganze Wirtschaft würde stillstehen, wenn die Frauen keinerlei Sorgearbeit mehr machen würden. DurchkünstlicheIntelligenz(KI)dürftenviele Jobs wegfallen. Macht man sich am Wifo Gedanken über das Alterssicherungssys- temunter demVorzeichen der technischen Revolution? In dieser konkreten Fragestellung nicht. Kolleginnen und Kollegen beschäftigen sich aber mit Produktivitätszuwächsen durch KI. Die traditionelle Produktivi- tätsmessung zeigt noch keine großen (ȬHNWH GXUFK GHQ (LQVDW] YRQ ., (V stellt sich jedenfalls die Frage, ob stärker der Produktionsfaktor Arbeit oder das Kapital von der gestiegenen Produktivität SURljWLHUW XQG ZLH GDV LQ GLH )LQDQ]LHUXQJ des Sozialstaates eingebaut werden kann. 'D JHKW HV HWZD EHL 7HFK 8QWHUQHKPHQ um die Produktionsfaktoren Daten oder Kapital – hier brauchen wir dann ein entsprechendes Steuersystem, das Schlie- ĕHQ YRQ 6WHXHUVFKOXSijĆFKHUQ (LQHV LVW klar: Wir können gar nicht so modern sein, dass wir nicht auch einen Sozialstaat brauchen. VielenDank für dasGespräch. EDITH HUMENBERGER-LACKNER FP » Wir können gar nicht so modern sein, dass wir nicht auch einen Sozialstaat brauchen. « Christine Mayrhuber, Wifo fondsprofessionell.at 4/2025 165 FOTO: © GÜNTER MENZL FÜR FONDS PROFESSIONELL
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