FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
sicherung der Frauen nicht über Kinder- erziehung erreichen. Wasmussgetanwerden? Hohe Erwerbseinkommen sind der Ansatz- punkt: Man müsste bereits in der Schule vermitteln, welche Einkommensniveausmit konkreten Berufsvorstellungen verbunden sind. Uni-Absolventinnen verdienen schon anderthalb Jahre nach dem Berufseinstieg zehn Prozent weniger als die männlichen Kollegen, weil sie eher Fächer mit gerin- geren Einkommensniveaus belegen. Ich glaube, das wird nicht genug vermittelt. InÖsterreichwirddasFrauenpensionsalter geradeauf65angehoben.InDänemarkwird schondiskutiert,dassallgemeinbiszum74. Lebensjahr gearbeitet werden soll. Wo lie- gen die Grenzen bei der Altersanhebung? Wie langekannmanarbeiten? Eine einheitliche Grenze für alle sehe ich als wenig geeignet. Es macht einen Unter- VFKLHG RE MHPDQG QDFK GHU 3ijLFKWVFKXOH eine Lehre beginnt und mit 16 Jahren in den Arbeitsmarkt einsteigt oder erst mit 25 nach einem Studium. Nur das Alter zu diskutieren, wird den unterschiedlichen Erwerbsverläufen nicht gerecht. Es wäre eine Überlegung, die Erwerbsarbeitszeit heranzuziehen. Alsospäter einsteigen, später aussteigen? Genau. Für jene, die später einsteigen, ist ein höheres Antrittsalter machbar. Wir dürfen aber nicht nur bei den Versicher- ten das Alter anheben; auch die Unterneh- men müssen sich beteiligen. Wir haben in Österreich in den letzten Jahren immer nur die Versicherten bemaßnahmt. Nicht aber die Betriebe. Eine Zahl: 30 Prozent der Frauen gehen nicht aus der aktiven Erwerbstätigkeit in die Pension, weil sie sich aus dem Arbeitsmarkt zurück- gezogen haben, arbeitslos oder krank sind. Wir sollten uns eine so hohe Alters- arbeitslosigkeit nicht leisten. Selbststän- dige gehen deutlich später in Pension als Unselbstständige. Und sie kombinieren DXFK KÌXljJHU $UEHLW XQG 3HQVLRQ ZHLO VLH das im Unterschied zum unselbstständig Erwerbstätigen selbst gestalten können. Da müssen die Unternehmen stärker ins Boot geholt werden. Eine Studie vonWifo & Forba hat gezeigt, dass Unternehmen mit typischen Frauenberufen im Jahr 2020 das steigende Frauenpensionsantrittsalter noch nicht thematisiert hatten. WasmüssendieBetriebe tun? Es braucht ein stärkeres Bewusstsein, dass eine Person, die heute 50 Jahre alt ist, ein Drittel des Erwerbslebens noch vor sich hat. In eine 50-jährige Belegschaft muss investiert werden, in Weiterbildung, in *HVXQGKHLWVIĆUGHUXQJ 'LH EHUXijLFKH Weiterbildung ist in Österreich im euro- päischen Vergleich sehr gering. Es gäbe viele Angebote für die Unternehmen, von GHU 'HPRJUDljHEHUDWXQJ ELV )LW WR :RUN XQG 4XDOLlj]LHUXQJVVWUDWHJLHQ $EHU DOOHV ist freiwillig. In anderen Ländern wie Deutschland oder der Schweiz ist betrieb- OLFKHV *HVXQGKHLWVPDQDJHPHQW YHUSijLFK- WHQG (V PXVV HLQIDFKPHKU YHUSijLFKWHQGH %HUDWXQJ VWDWWljQGHQ Sie sind für die erste Säule zuständig. Mich interessiert trotzdem die Sicht der Ökono- min: Die Versicherungen fordern eine Sen- kungder Versicherungsteuer, die Fondsge- sellschaften eine Stützung derWertpapier- veranlagung. Sozialistisch orientierte Poli- tiker sagen, das macht lieber jeder selber. Inwieweit soll oder muss der Steuertopf privateVorsorgeunterstützen? Die erste Säule ist das größere, wichtigere System, von dem alle abhängen. Alles, was GLHVHV 6\VWHP HUJÌQ]W RKQH HV ljQDQ]LHOO » In eine 50-jährige Belegschaft muss investiert werden, in Weiterbildung, in Gesundheitsförderung. « Christine Mayrhuber, Wifo V I TA : Christine Mayrhuber ist Senior Economist amWiener Institut für Wirtschafts- forschung (Wifo) und dort als stellvertretende Direktorin zuständig für Außenbeziehungen. Sie forscht unter anderemzu Einkommensentwicklung und -verteilung sowie zur Finanzierung der Pensionsversicherung. FONDS & VERSICHERUNG Christine Mayrhuber | Wifo 164 fondsprofessionell.at 4/2025 FOTO: © GÜNTER MENZL FÜR FONDS PROFESSIONELL
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