FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
Wenn man auf den Gap schaut, tut sich wenig. Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Frauen einen eigenständigen Pen- sionsanspruch haben. Vor 15 Jahren hat- ten zirka 20 Prozent der Österreicherin- nen ab 65 Jahren keinen eigenen Pensions- anspruch. Mittlerweile sind es nur noch knapp zehn Prozent. Es gibt Länder, wo weniger Frauen eine eigenständige Pen- sion haben, aber der Gap geringer ist, weil die berufstätigen Frauen sehr gut integ- riert sind. Etwa in Malta oder Italien. Ich möchte nichts relativieren. Aber es ist gut, wenn ein steigender Anteil von Frauen eigene Ansprüche hat. Was dennoch getan werden muss: Die Einkommen müssen steigen. Was ist der größte Faktor für die kleineren Frauenpensionen: das geringere Einkom- menoderweniger Versicherungsjahre? Der größere Faktor ist das geringere Ein- kommen. Auf Stundenlohnbasis sind knapp 30 Prozent der Frauen in Öster- reich Niedriglohnbeschäftigte, ein sehr hoher Wert im europäischen Vergleich. Da reden wir von rund elf Euro brutto SUR 6WXQGH 'DV EHWULȬW RIW 5HLQLJXQJ Beherbergung und Gastronomie. Auch der Handel und gewisse Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen sind nicht gut bezahlt. Heißt das nun höhere Mindestlöhne, heißt das Weiterbildung oder Quoten für Füh- rungspositionen? Wo ist die sinnvollste Stellschraube? Eine gute Lohnpolitik ist eine gute Pen- VLRQVljQDQ]LHUXQJVSROLWLN +RKH /RKQ- niveaus und gute Lohnabschlüsse sind LQ HLQHP XPODJHljQDQ]LHUWHQ $OWHUVVLFKH- rungssystem der Schlüssel schlechthin. Da LVW DXFK GLH ĆȬHQWOLFKH +DQG DOV JURĕHU Arbeitgeber im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen gefordert, entsprechende Löhne zu zahlen. Gleichzeitig hat die ĆȬHQWOLFKH +DQG QDWĞUOLFK 6SDU]LHOH ]X YHUIROJHQ 0DQ PXVV GLHVHQ =LHONRQijLNW transparent darstellen. Sie haben am Wifo Simulationen gemacht, wie sich Änderungen imPensionsrecht auf den Gap zwischen den Geschlechtern aus- wirken.Waswar dieErkenntnis? Wir haben uns zum Beispiel die Kinder- erziehungszeiten angesehen. Derzeit gebührt dem betreuenden Elternteil in den ersten vier Jahren eine Gutschrift YRQ HLQHP ljNWLYHQ (LQNRPPHQ YRQ rund 2.000 Euro im Monat. Wir haben Pensionshöhen simuliert, wenn stattdes- sen das Durchschnittseinkommen von Vollzeitbeschäftigten genommen wird. 'HU (ȬHNW ZDU NOHLQHU DOV HUZDUWHW 'LH durchschnittliche Frauenpension würde dadurch nur um acht bis zehn Prozent steigen. Den Pensions-Gap kann man so nicht schließen – noch dazu, da die Ferti- lität sehr gering ist. Man kann die Alters- » Vor 15 Jahren hatten zirka 20 Prozent der Österreicherinnen ab 65 Jahren keinen eigen- ständigen Pensions- anspruch. Mittlerweile sind es nur noch knapp zehn Prozent. « Christine Mayrhuber, Wifo fondsprofessionell.at 4/2025 163 FOTO: © GÜNTER MENZL FÜR FONDS PROFESSIONELL Wie es Österreich und derWelt geht,erklärt kaum jemand somitreißendwieWifo-Direktor Gabriel Felbermayr .Er ist auch 2026wieder auf dem FONDS professionell KONGRESS inWien. ANMELDUNG: fondsprofessionell.at WIEN, 4. UND 5. MÄRZ 2026
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