FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
Wifo-Ökonomin Christine Mayrhuber spricht sich gegen eine Förderung der dritten Säule aus, jedoch für bessere Bedingungen bei der zweiten. Ein Gespräch über Demografie , geringe Frauen- pensionen und KI-Effekte auf das Pensionssystem. P ensionsexpertin Christine Mayrhuber übernahm vor gut einem Jahr den lange vakanten Vorsitz der gesetzlichen Alterssicherungskommission. Verbesse- rungsbedarf sieht sie nicht nur in diesem Gremium. Sie fordert Änderungen bei der Anpassung der Pensionen: Wie in anderen /ÌQGHUQ VROOWH QLFKW QXU GLH ,QijDWLRQ DOV Basis dienen. FrauMayrhuber,SiesindseitguteinemJahr Vorsitzende der Alterssicherungskommis- sion.IhrVorgängerhatdasHandtuchgewor- fen, weil er sich von der Politik nicht gehört gefühlt hat.Wie ist es fürSie? Christine Mayrhuber: Aus meiner ökono- PLVFKHQ 6LFKW LVW GLH JHVHW]OLFK GHljQLHUWH Aufgabe in der Alterssicherungskom- mission viel zu eng. Einmal im Jahr schauen wir uns die mittelfristige Pen- VLRQVljQDQ]LHUXQJ DQ XQG DOOH GUHL -DKUH die langfristige. Dabei müssen wir Indika- toren verwenden, die für die Periode 2005 bis 2050 im Gesetz stehen; zum Beispiel die Bevölkerungs-, Erwerbs- und Produk- tivitätsentwicklung oder Beschäftigungs- quoten. Die gesetzlichen Werte weichen längst von der Realität ab. Mit diesen Indikatoren entspricht die Beurteilung GHU ljQDQ]LHOOHQ 1DFKKDOWLJNHLW ]ZDU GHP Gesetzestext, nicht aber den gegebenen Entwicklungen. Diese Arbeit ist einfach nicht zielführend. Sind Sie im Austausch mit der Politik über Änderungen? Es gibt lose Diskussionen. Eine Reform der Kommission steht im Regierungspro- gramm, was ich sehr begrüßen würde. SiesindineinerPosition,woSieinformellbei Entscheidungsträgern auf Lösungen drän- genkönnen. MachenSiedas? Das spreche ich als Ökonomin klarerweise an, nicht in meiner Funktion als Vorsit- zende der Alterssicherungskommission. Die Kommissionsmitglieder haben unter- schiedliche Zugänge. Vertreten sind ja auchMinisterien und Sozialpartnerschaft. Das Gremium wurde meines Erachtens gegründet, um Kompromisse auszuver- handeln und nicht, um eine Außensicht auf das System zu werfen. Die öffentliche Debatte über die Pensionen verläuftzwischen„bankrott“und„allesnicht so schlimm“. Je nachdem, wer spricht. Als Ökonomin gefragt: Wie sicher ist das öster- reichischePensionssystem? Die Diskussion ist politisch hoch aufgela- den, und auch die Finanzindustrie will mitgestalten. Um es einfach zu sagen: Ein Umlageverfahren, wie wir es in Öster- reich haben, kann ich niemals entkop- pelt vom Arbeitsmarkt sehen; Beschäfti- gungs- und Einkommensniveau bestim- men die Finanzierungslage. Insofern ist es schwierig zu sagen, das System ist sicher oder nicht. Wir haben ein sehr gutes Sys- tem. Das Absicherungsniveau favorisiert aber Standarderwerbsverläufe, während Frauenerwerbsverläufe oder instabil Beschäftigte nicht so gut wegkommen. Frauen haben im Schnitt gut 40 Prozent wenigerAlterspensionalsMänner. DerGap hat sichseit 2010nurumrundvierProzent- punkte verkleinert. Das geht wahnsinnig langsam.Wasmusssichändern? „Hier ist eine staatliche Förderung nicht angebracht “ » Diese Arbeit ist einfach nicht zielführend. « Christine Mayrhuber, Wifo FONDS & VERSICHERUNG Christine Mayrhuber | Wifo 162 fondsprofessionell.at 4/2025
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