FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
spiel die Baubewilligungsdauer, die für Nachverdichtungsprojekte und Dachge- schoßausbauten immer länger wird. Es ist viel Potenzial vorhanden, undman könnte viel bewegen, wenn man sich einen Ruck gibt. Keiner von uns möchte neu versie- geln, und insofern sehe ich bei diesem Thema keinen Interessengegensatz. Amann: Im Regierungsprogramm stehen über 50 Maßnahmen im Bereich Woh- nen, Bauen und Boden. Ich halte das für recht brauchbar. Bei den Brachen ist Handlungsbedarf gegeben. Es sollte zum Beispiel für alte Industrie- und Gewerbe- ijÌFKHQ OHLFKWHU HLQH 1XW]XQJVÌQGHUXQJ möglich sein. Köttl: Investoren verfolgen dieses Thema im Moment sehr intensiv. Man kann gerade Bürogebäude durch Investitionen zu attraktivem Wohnraum machen. Das handwerkliche Können ist da, und wenn der Projektentwickler alles richtig zusam- menführt, wird das ein gutes und sozial verträgliches Produkt sein. Niedermühlbichler: Bei der Verdichtung gibt es einige Herausforderungen, denn damit wird mehr Infrastruktur benötigt. In Wien gibt es aber auch zunehmenden Widerstand in der Bevölkerung, weil sie zum Beispiel den zusätzlichen Verkehr ablehnt. In Niederösterreich sehen wir, dass Ortskerne leer stehen und gleich- zeitig auf der grünen Wiese neu gebaut wird. Da muss man einschreiten. Der freie Markt regelt das nicht, sondern da muss die Kommune in der Flächenwidmung eingreifen. Ich wäre dafür, dass nur wach- sende Gemeinden zusätzlich Wohnraum VFKDȬHQ NĆQQHQ WennSiesichzumSchlussetwaswünschen dürften,waswäredas? Czapek: 0LU LVW IĞU GLH RȬHQHQ ,PPREL- lienfonds wichtig, dass man bei gewissen Themen wie zum Beispiel Mietrecht und Mietverträge eine gemeinsame Sichtweise erzielt und es am Ende Rechtssicherheit über eine bestimmte Zeit gibt. Dafür brauchen wir einen Dialog, denn nur daraus kann ein Konsens entstehen. Köttl: Ich nehme aus dieser Runde mit, wie wichtig das Miteinander-Sprechen ist. Das würde ich gern noch öfter machen. Und ich glaube, dass wir einen Schnitt machen müssen, sowohl mietrechtlich als auch in den Auseinandersetzungen der Vergangenheit. Da sich in der Immobi- lienbranche im Moment sehr viel tut, ist es eine gute Zeit für einen Neustart und gemeinsame Anstrengungen, die Themen unter Berücksichtigung aller Interessen zu lösen. Ich fände es daher gut, die Sozial- partnerschaft auch im Immobilienbereich wiederzubeleben. Leicht wird es nicht, aber wir sind bereit dazu. Niedermühlbichler: ,FK ljQGH GHU 'LV- kurs ist ganz wichtig, und wir müs- sen im Dialog versuchen, vernünftige /ĆVXQJHQ ]X ljQGHQ XQG GLHVH GDQQ DQ die Politik heranzutragen. Das ist her- ausfordernd, weil es unterschiedliche Interessenlagen gibt. Aber die Sozial- partnerschaft hat Österreich letztend- lich groß gemacht. Es sind heute gute Stichworte wie „einheitliches Miet- recht“ gefallen, an denen man wirklich lösungsorientiert arbeiten kann. Rosifka: Es ist schwierig, das loszulassen, was so alles passiert ist. Aber ich glaube, dass das durchaus sehr viel Sinn machen würde, losgelöst von der Vergangenheit ]X GLVNXWLHUHQ XQG GLH %HljQGOLFKNHLWHQ hintanzustellen. VielenDank für dasGespräch. ALEXANDER ENDLWEBER FP 148 fondsprofessionell.at 4/2025 SACHWERTE Roundtable | Wohnpolitik FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL | MARLENE.AT In der FONDS professionell Redaktion inWien diskutierten fünf Immobilienexperten über die aktuelleWohnpolitik der Bundesregierung. Mietervereinigungs-Präsident Georg Niedermühlbichler und AK-ExperteWalter Rosifka befürworten die Eingriffe in die bisher geltendenMietregelungen. Fondsmanager Peter Czapek und Projekt- entwickler Andreas Köttl warnen vor den Folgen und fordern, mit Unterstützung desWohnbauexpertenWolfgang Amann ein einfacheres und einheitliches Mietrecht.
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