FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2025
heißt, der freie Markt hat durch staatliche Interventionen oder Entscheidungen sehr wohl auch sehr viele Vorteile, und daher sollte er im Wege eines Interessenaus- gleichs etwas zurückgeben. Bei Vorsorge- ZRKQXQJHQ ZLUG PLW GHP ,QijDWLRQVDXV- gleich geworben. Bei vielen dieser Projekte SURljWLHUHQ GLH ,QYHVWRUHQ QLFKW QXU YRQ der Wertsicherung der Mieten, sondern DXFK YRQ GHU ĆȬHQWOLFKHQ )ĆUGHUXQJ Amann: Österreich hat seit 15 Jahren eine stabile Wohnkostenbelastung von im Durchschnitt 18 bis 19 Prozent. Bei Eigen- tümern ist sie sehr viel niedriger, weil die Kapitaltilgung nicht dazugerechnet wird. Bei den Mietern ist die Wohnkostenbelas- tung von zirka 24 auf 26 Prozent etwas gestiegen. Nach meiner Einschätzung ist das nicht wirklich dramatisch. Viele Immobilienökonomensagen, dassmit derZunahmederRegulierungderNutzenfür dieMieterabnimmt,weilsichdieImmobilien- wirtschaft abwendet. Müsste man deshalb nichtsogarmehrMarktwagen,weillangfris- tigAngebotundNachfragezudenbesseren Ergebnissen führen? Denn es hilft ja nichts, wennniemandmehrzuinvestierenbereitist. Niedermühlbichler: Die Praxis zeigt, dass sehr wohl investiert wird und dass Öster- reich für Immobilieninvestoren ein siche- UHV 3ijDVWHU LVW ZHLO ZLU QLFKW SHUPDQHQW Richtlinien oder Gesetze ändern. Ich ljQGH HV ł LFK ZLOO MHW]W QLFKW YHUORJHQ VDJHQ ł XQHKUOLFK GDVV .ULWLN GHU ,PPR- bilienwirtschaft am fehlenden Diskurs ausbleibt, wenn es Veränderungen zum Nachteil der Mieter gibt. Aber wenn es um den Mieterschutz und leistbares Wohnen geht, wird das kritisiert. Dabei hat die neue Drei-Prozent-Regelung nicht einmal Auswirkungen auf den Immobi- lienmarkt. Das ist nur eine Maßnahme, damit sich Mieter auch im ungeregelten Markt sicher fühlen können, wenn wir ZLHGHU HLQH ,QijDWLRQ YRQ ]HKQ 3UR]HQW KDEHQ +RȬHQ ZLU GDVV GDV QLFKW GHU )DOO VHLQ ZLUG 0HLQH )UDJH LVW :LH KRFK sollen denn die Renditen bei Wohnen, GDV HLQ *UXQGUHFKW LVW VHLQ" ,FK ljQGH dass es auch im ungeregelten Mietbereich Regeln braucht, damit die Mieten nicht davongaloppieren und die Gewinne übergroß sind. Köttl: Die Investoren werden nicht durch rechtliche Rahmenbedingungen verunsi- chert, sondern dadurch, dass rückwirkend Rechtsunsicherheit über geschlossene Ver- träge erzeugt wird. Niedermühlbichler: Wenn ein Vertrag rechtswidrig konzipiert wurde, ob das vor zehn, 15 oder 20 Jahren war, dann darf man das natürlich anfechten. Das ist im Wesentlichen bei der Wertsicherungsklau- sel passiert, und der OGH hat festgestellt, dass die überhöhte Miete zurückverlangt werden darf, wenn die Klausel rechtswid- ULJ LVW (V PXVV DOVR XQWHUVFKLHGHQ ZHUGHQ Das eine ist ein Rechtsproblem, und das andere ist ein politisches Problem. Täusche ich mich oder ist die Stimmung in derDiskussionsovergiftetwieschon lange nichtmehr? Köttl: Wenn das Wort „verlogen“ fällt, sieht man doch, wie die Stimmung ist. Ich kann nicht nachvollziehen, dass man sich die verschiedenen Positionen nicht in einem Expertengremium, von dem sogar im Regierungsprogramm gesprochen wird, anhört. Wir haben gute Vorschläge gemacht, wie man zum Beispiel die Inde- xierung sachgerecht lösen kann. Dazu haben wir keine Rückmeldung erhalten, und das ist schade. Es geht darum, zuein- DQGHU ]X ljQGHQ 'LH 6R]LDOSDUWQHUVFKDIW die diese Republik groß gemacht hat, ist 144 fondsprofessionell.at 4/2025 SACHWERTE Roundtable | Wohnpolitik FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL | MARLENE.AT » Österreich hat seit 15 Jahren eine stabile Wohnkostenbelastung von 18 bis 19 Prozent. « Wolfgang Amann, IIBW Der Vorarlberger Wolfgang Amann promovierte an der Universität Wien imForschungsgebiet Urbanistik. Seit 2005 ist er geschäftsführender Gsesellschafter des IIBW– Institut für Immobilien, Bauen undWohnen in Wien, das sich der Wohnbau- und Immobilienforschungwidmet.
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=