FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2023

Jahr 2019 fusionierten die beiden Unternehmen. Seit damals liegt die Zahl der angebundenen Makler unverändert bei 230, die Mitarbeiterzahl ist aber von 20 auf 32 gestiegen. Zudem erweckt ein Blick auf den Jahresabschluss 2021 der Wefox Austria GmbH (der Abschluss 2022 war bei Re- daktionsschluss noch nicht verö entlicht) nicht gerade den Eindruck einer erfolgrei- chen Wachstumsstory. So weist die Bilanz Verbindlichkeiten von 5,6 Millionen Euro und einen Bilanzverlust von 1,4 Millionen Euro aus. Laut Vogelmann darf man sich von dieser Zahl allerdings nicht täuschen lassen. „Es handelt sich dabei zu einem Großteil um die ausgewiesenen Boni, die wir zunächst als Forderung von den Versi- cherungsgesellschaften für unsere Partner einheben (Bonipool), dann natürlich aber an unsere Partner nach einem bestimmten Schlüssel abführen. Daher müssen diese Boni als Verbindlichkeiten in der Bilanz angeführt werden“, erklärt der Österreich- Geschäftsführer. Hohes Prämienvolumen Zudem verweist man darauf, dass daher andere Kennzahlen die erfolgreiche Ent- wicklung des österreichischen Geschäfts widerspiegeln. „Die für uns relevante Kenn- zahl in unserem Kerngeschäftsmodell ist das erreichte Prämienvolumen über unsere 360-Grad-Plattform, die sowohl für Privat- als auch Gewerbekunden,Makler und Ver- sicherer als digitaler Versicherungsmarkt- platz gleichermaßen attraktiv ist. Hier lie- gen wir in Österreich per Jahresende 2022 bei 230 Millionen Euro aus dem Schaden-/ Unfallgeschäft“, so Vogelmann weiter. Sieht man sich den daraus generierten Provi- sionsumsatz im Vergleich zum Jahr 2020 an, so zeigt sich allerdings, dass es hier kei- nen großen Sprung gab. Lag dieser im Jahr 2020 bei 40 Millionen Euro, so ist die Steigerung im Jahr 2022 mit einem Um- satz von 45,2 Millionen Euro überschaubar. Zudem dürfte der Großteil des Provisions- umsatzes nicht auf das Eigengeschäft – die Maklergruppe-Gründer haben bei der Fusion ihre eigenen Kundenbestände ein- gebracht –, sondern auf das Partnergeschäft zurückzuführen sein. Bei Letzterem ießen die Provisionen allerdings direkt an die Makler. Trotzdem bleibt Vogelmann dabei: „Fakt ist, in Österreich nanzieren wir uns über unser Geschäftsmodell selbst. Wir fokussieren uns auf unsere klaren vertrieb- lichen Stärken. Und diese liegen – nicht zuletzt auch historisch bedingt – auf A - nity & Broker und ganz klar im Ausbau unserer Partnerschaften und Kooperatio- nen mit österreichischen Maklern und Mehrfachagenten, die vom hohen Digita- lisierungs- und Automatisierungsgrad un- serer Serviceplattform für deren Geschäfts- prozesse und Verwaltung pro tieren.“ Die anfangs hochgesteckten Ziele hat man rückblickend jedenfalls noch nicht erreicht. Im Interview mit FONDS pro- fessionell (2/2021) erklärte der damalige Geschäftsführer Matthias Lindenhofer (mittlerweile hat dieser das Unternehmen verlassen): „Wir sehen hier ein riesiges Potenzial von drei Millionen Versiche- rungsnehmern österreichweit, für die das interessant ist. Davon möchten wir in den kommenden zwei bis drei Jahren unseren Maklern fünf bis zehn Prozent zuspielen. Also bis zu 300.000 Kunden. Diesen Zuwachs wird in der Zeit wahrscheinlich kein anderer scha en …“ Aktuell betreut das Unternehmen österreichweit rund 166.000 Kunden; nicht schlecht, aber von den angenommenen 300.000 doch weit entfernt. 20 neue Partner Die Wachstumsstory ist für Vogelmann trotzdem intakt, er sieht das größte Poten- zial im Aufbau von Partnerschaften mit Versicherungsvermittlern imWesten Öster- reichs sowie in Kärnten und Wien. „Gera- de in den letzten zweieinhalb Monaten haben wir das Vertrauen von 20 neuen Partnern gewinnen können, was uns stolz macht und zeigt, dass wir auf dem richti- gen Weg sind und unsere Serviceplattform und die damit verbundenen Dienstleistun- gen in der Branche gern angenommen werden“, erklärt der Wefox-Geschäftsführer. Andererseits gibt das Unternehmen an, dass der klare Fokus in Österreich – wie in allen Ländern – auf Pro tabilität und nicht auf Wachstum um jeden Preis liegt. Da passt es gut ins Bild, dass Einsparungspo- tenzial genutzt wird: So sollen die beiden aus der Historie heraus bestehenden Stand- orte in Pöchlarn und Amstetten auf einem großen gemeinsamen Standort in Amstet- ten zusammengelegt werden. Zu einem Stellenabbau soll es dabei nicht kommen. Zwar gibt man an, dass der Zu- und Ab- gang von Personal Teil einer gewöhnlichen Unternehmensentwicklung bei einer Un- ternehmensgruppe mit mittlerweile über 1.000 Mitarbeitern sei, der neue Standort bietet laut Vogelmann allerdings „ausrei- chend Platz für unser weiteres geplantes Mitarbeiterwachstum“. GEORG PANKL FP » Die für uns relevante Kennzahl in unserem Kerngeschäftsmodell ist das erreichte Prämienvolumen. « Rainer Vogelmann, Wefox Österreich fondsprofessionell.at 1/2023 161 FOTO: © ING. ALEXANDER KOCH BA | WEFOX ÖSTERREICH

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