FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2022

Bei der Linzer Partner Bank, die auch als Haftungsdach für Vermögensberater fungiert, hat das laufende Jahr bisher keine negativen Spuren hinterlassen.Wie das Un- ternehmen berichtet, konnte das Geschäft gegenüber dem Vorjahr sogar ausgebaut werden. „Das gilt sowohl für Österreich als auch für die anderen Länder, in denen wir tätig sind. Der Zuwachs im Neugeschäft liegt gegenwärtig im Bereich von 30 Pro- zent. Sichtlich sind Themen wie Inflation, Ukraine-Krieg oder rückläufige Börsen für viele Anleger sogar ein Anreiz, vermehrt in Wertpapiere, vorrangig in qualitativ hoch- wertige Aktien, zu investieren. Insbesondere kommt mit unseren Vermögensaufbau- plänen – bei denen Kunden regelmäßig Wertpapiere ankaufen – der Cost-Average- Effekt besonders zum Tragen“, erklärt Elham Ettehadieh, Vorstandsmitglied der Partner Bank. Ähnliches kann auch Privatconsult- Geschäftsführer Stefan Ferstl im Jahresrück- blick berichten, allerdings differenziert er zwischen dem ersten und dem zweiten Halbjahr und erklärt: „Im ersten Halbjahr war eine ähnliche Situation wie im Zuge der Coronakrise 2020 zu beobachten. Viele Anleger nutzten tiefere Kurse zu Nachkäu- fen in der Hoffnung auf eine baldige Ver- besserung der globalen Lage. Daher waren die ersten Monate im Neugeschäft noch wirklich stark. Nachdem sich allerdings abzeichnete, dass sowohl der Krieg in der Ukraine als auch die Inflationslage und die steigenden Zinsen keine kurzfristigen Phä- nomene sind, sank die Investitionsbereit- schaft der Anleger signifikant, was dazu ge- führt hat, dass in den letzten Monaten die Zahlen für das Neugeschäft nun leicht un- ter dem Vorjahresniveau lagen.“ Trotzdem konnte die Wertpapierfirma zumindest noch im ersten Halbjahr starke Mittel- zuflüsse verzeichnen. So kam es am Ende sogar nahezu zu einer Verdopplung des Volumens in den Vermögensverwaltungs- lösungen. Dies sei laut Ferstl auch darauf zurückzuführen, dass neue Mitarbeiter mit guten Kunden zum Unternehmen ge- wechselt sind. Nun gelte es, die Entwick- lung der nächsten Monaten abzuwarten: „Erst dann wird man sehen, ob noch eine Verkaufswelle kommt oder ob Anleger wieder zuzukaufen beginnen.“ Nachhaltigkeitspräferenzen Als weit größere Schwierigkeit als das Marktumfeld haben die Haftungsdächer dieses Jahr unisono die neuen Pflichten zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen wahrgenommen. „In der Beratung braucht man nun bis zu 25 Minuten länger, und die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die meisten Kunden gar kein Interesse an dem Thema haben“, ärgert sich auch Obmann Dolzer. Kein Wunder, hat doch das erfor- derliche Formularwesen mittlerweile Di- mensionen erreicht, die selbst interessierten Kunden nur mehr schwer zu vermitteln sind. „Der administrative Aufwand hat sich jetzt mit der Einführung von ESG als Teil der Wertpapierveranlagung naturgemäß noch weiter erhöht, sodass die Grenzen der Akzeptanz auf Kundenseite zum Teil deut- lich überschritten wurden. Gut gemeint ist bekanntlich nicht unbedingt gut gemacht, könnte man die Kommentare salopp zu- sammenfassen“, so Ettehadieh abschließend. GEORG PANKL FP Elham Ettehadieh, Partner Bank: „Der adminis- trative Aufwand hat sich jetzt mit der Einführung von ESG naturgemäß noch weiter erhöht.“ Stefan Ferstl, Privatconsult: „Im ersten Halbjahr war eine ähnliche Situation wie im Zuge der Corona- krise 2020 zu beobachten.“ » Die Zahl der Berater ist im Jahresverlauf von 305 auf 327 gestiegen. « Reinhard Magg, Finanzadmin VERTRIEB & PRAXIS Haftungsdächer 198 fondsprofessionell.at 4/2022 FOTO: © PARTNER BANK, ELKE MAYER (2)

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