FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2022

Sinkender Risikoappetit Anleger haben derzeit keine Lust auf Aktienfonds : ImMärz musste die Produktgruppe die höchsten Abflüsse seit Ausbruch der Corona- Pandemie hinnehmen. Gefragt waren „Kriseninvestments“. S teigen die Verbraucherpreise, schmä- lert das nicht nur die Kaufkraft der Konsumenten, auch für Aktienanleger sind hohe Inflationsdaten keine gute Nachricht: Höhere Preise belasten auch die Gewinn- aussichten der Unternehmen und damit die Ertragschancen der Aktionäre.Mit Aus- bruch des Ukraine-Konflikts stieg erstens die Inflation in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union massiv an, parallel dazu wuchs die Gefahr einer Rezession. Und die Aktienfondsbesitzer reagierten rasch: Laut der Fondsdatenbank von Mountain-View flossen knapp 28 Milliar- den Euro aus Aktienportfolios mit Zulas- sung in Deutschland und Österreich ab. Das waren seit 2008 – so lange reicht die Nettomittelzu- und -abflussstatistik von Mountain-View zurück – die zweithöchsten Nettomittel- abflüsse aus dieser Fondskate- gorie. Nur im März 2020, als die Corona-Pandemie ausbrach, verzeichnete die Datenbank der Kärntner mit etwas mehr als 29 Milliarden Euro noch höhere Abflüsse. Im April dieses Jahres sah es für Fonds, die nur in Aktien investieren, allerdings schon wieder besser aus: Es gab er- neut ein Minus, mit 157 Mil- lionen Euro fiel es aber wesent- lich geringer aus. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass nur wenige Fondskategorien von dieser ver- gleichsweisen günstigen Bilanz profitierten: Nennenswerte Zuflüsse verzeichneten im April lediglich die Sparten „Ökologie und Ethik“mit einem Plus von 2,41 Milliarden Euro sowie die Region USA (+1,44 Milliar- den Euro) und die breit gestreuten globa- len Aktienfonds (+6,67 Milliarden Euro). Starke Abflüsse mussten hingegen europäi- sche Portfolios mit minus 3,55 Milliarden Euro und die Emerging Markets (–1,94 Milliarden Euro) hinnehmen. Plus bei Kriseninvestments Neben den Aktienfonds standen weder Rentenfonds (–18 Milliarden Euro) noch gemischte Portfolios (–8,34 Milliarden Euro) im April in der Gunst der Anleger. Sie investierten lieber in die als sicher gel- tenden Geldmarktfonds, die ein Plus von 7,29 Milliarden Euro verzeichneten. Auch in das Kriseninvestment „Immobilien“ steckten Investoren Geld: Immobilienport- folios flossen 791 Millionen Euro zu. Passiv verwaltete Fonds, die bei Mountain-View getrennt ausgewiesen werden, konnten ebenfalls Gelder anziehen. Über alle Untergruppen hin- weg investierten Anleger knapp 15 Milliarden Euro in ETFs. Passive Aktienfonds ha- ben hier wiederum mit einem Plus von elf Milliarden Euro die meisten Gelder angezogen, gefolgt von Anleihen-ETFs (+854 Millionen Euro). CORNELIA FUSSI FP Anleger zeigen weniger Risikobereitschaft: Aktien- fonds waren bei ihnen zuletzt wenig beliebt, Geld- markt- und Immobilienfonds dafür umso mehr. Zu- und Abflüsse: Aktienfonds Aktienfonds verzeichneten die höchsten Nettoabflüsse seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Quelle:Mountain-View -30 -20 -10 0 10 20 30 ’22 I I 2020 I I I I I 2015 I I I I I 2010 I I ’08 Mittelaufkommen Aktien in Mrd. Euro Die Tabellen zum Artikel finden Sie auf der nächsten Seite. MARKT & STRATEGIE Mittelzu- und -abflüsse 138 fondsprofessionell.at 2/2022 FOTO: © LIGHTFIELD STUDIOS | STOCK.ADOBE.COM

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