FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2019

Foto: © N26, Fundamental Capital, N26 I n Finanzkreisen wird die Smartphone- Bank N26 als „Unicorn“ tituliert. Als Ein- horn gelten Start-ups, die über eine Mil- liarde US-Dollar wert sind. Seit der jüngsten Finanzierungsrunde im Januar dieses Jahres gehört das Berliner Institut zu diesem illustren Kreis. Damals sammelte N26 mehr als 300 Millionen Dollar ein, unter anderem von der Beteiligungstochter der Allianz. Insgesamt taxieren die Kapitalgeber den Wert der mobi- len Bank damit auf über 2,5 Milliarden Dol- lar. Wobei dieser in den vergangenen Wochen wohl etwas gefallen sein dürfte, denn das Un- ternehmen steht wegen mangelhaftem Kun- denservice und angeblicher Sicherheitslücken stark unter medialem Beschuss. 10.000 Neukunden – täglich Die Wachstumsstory ist beeindruckend: Noch im Sommer 2018 sprach N26 von rund 3.000 bis 4.000 Neukunden täglich. Keine neun Monate später erreicht das Unternehmen an Spitzentagen nach eigenen Angaben bis zu 10.000 neue Nutzer. Rund 2,6 Millionen Menschen haben sich bisher die Banking-App heruntergeladen. Zum rasanten Wachstum trägt auch die internationale Expansion bei. Mittlerweile ist die Bank in 26 Ländern prä- sent. Derzeit versucht das quirlige Fintech, den Schweizer und den brasilianischen Markt zu erschließen. Auch in den USA soll die ein- fach zu bedienende App in einigen Monaten zu haben sein. Für Branchenkenner kommt der Erfolg nicht von ungefähr. „Digitale Angreifer haben das Geschäft der Banken ausgehöhlt, viel ist nicht mehr davon übrig. Zumindest nicht viel, das nur von Banken erledigt werden kann“, sagt Uwe Zimmer, Geschäftsführer des Kölner Vermögensverwalters Fundamental Capital. „Bei den Pri- vatkunden ist schon heute zu sehen, dass sie die neuen digitalen Ange- bote gern ausprobieren.“ Und weil sie funktionieren, würden immer mehr Menschen dauerhaft zur digi- talen Konkurrenz wechseln. „Das ist, als rase ein Asteroid auf die Bankenwelt zu“, so der Vermögens- verwalter. Ob N26 das Banking jedoch grundlegend verändert hat, darf bezweifelt werden. Für einige ist es mehr Schein als Sein. „N26 ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich auch Bankgeschäfte modisch auf- peppen lassen“, sagt Christian Rieck, Professor für Finance und Wirtschaftstheorie an der Frankfurt University of Applied Sciences. „Dass man nur ein hippes Frontend braucht, damit haben die wenigsten gerechnet, meine Person einge- schlossen.“ Der umtriebige Wissenschaftler scheut keine klaren Worte: „Die Banken erscheinen unglaublich altbacken. N26 zeigt, dass man darüber nur eine hauchdünne Schicht Show legen muss, um beim Kunden gut anzukommen.“ (Siehe auch das Interview auf Seite 224.) Anfängliche Zweifel Als FONDS professionell Anfang 2015 das erste Mal über das Unternehmen, das damals noch als Number 26 firmierte, berichtete, zweifelten viele Branchenexperten am Ge- schäftsmodell: Ein kostenloses Girokonto, das ausschließlich über das Smartphone zu bedie- nen ist, war vor vier Jahren hierzulande noch absolutes Neuland. Einzige Einnahmequelle waren die Gebühren der Händler, die die Kre- ditkarte als Zahlungsmittel akzeptierten. Mitt- lerweile verdient N26 auch an der Premium- version des Kontos. So gibt es die Variante „N26 Black“ mit einer schwarzen Mastercard und einem Versicherungspaket der Allianz für 9,90 Euro im Monat oder die „Metal“-Ver- sion, die darüber hinaus noch einen bevorzug- Die Smartphone-Bank N26 eilt von Erfolg zu Erfolg, zumindest was Kundenzahl und Finanzierung angeht. Doch das Image des Instituts bekam einige Kratzer ab. Gestutztes Einhorn Unten poliertes Parkett, oben unverputzter Beton: In der Berliner N26-Zentrale geht das irgendwie zusammen. Die Bank scheint mit Widersprüchen leben zu können: So wächst die Zahl der Kunden rasant – trotz Beschwerden über den Kundenservice. » N26 ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich auch Bankgeschäfte modisch aufpeppen lassen. « Christian Rieck, Frankfurt University of Applied Sciences 222 www.fondsprofessionell.at | 2/2019 bank & fonds I n26

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