FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2019

D as Depot mit einem Gegenwert von rund 10.000 Euro enthält zwei Aktien- und einen offenen Immobilienfonds. Dass der Depotausweis für 2018 ein kleines Minus von 2,4 Prozent zeigt, erstaunt den Kunden nicht, angesichts des Börsenbebens zum Jahresende hatte er mit Schlimmerem gerechnet. Doch dann blättert der Anleger weiter – und stößt auf den erstmals veröffent- lichten „Kostenbericht“. Dem entnimmt er, dass sein Depot eigentlich eines winziges Plus in Höhe von 24,36 Euro erwirtschaftet hätte, erst die Produkt- und Dienstleistungskosten bewirkten das Minus. Und plötzlich werden diese – an sich geringen – Kosten zum Ärger- nis. Wie viele der Kunden, die dieser Tage den Ex-post-Kostenausweis ihres Depots er- halten, auf diese Weise irritiert werden, lässt sich nicht feststellen. Dass die Zahl aber be- trächtlich sein könnte, lässt das Zögern der Banken und anderen Wertpapierdienstleister, die diese Kostendarstellungen erstmals liefern müssen, vermuten. Die Branche ist über die neue Transparenz nicht wirklich erfreut, weil sie den damit verbundenen Aufwand für un- verhältnismäßig hält. „Was die Kunden bisher gesehen haben, war ja auch schon sehr trans- parent. Man muss ganz klar festhalten, dass hier ein Aufwand betrieben wird, der sehr viel kostet und dem Endkunden letztendlich wenig bis gar nichts bringt“, kritisiert Peter Gross, Geschäftsführer des Vermögensverwalters und Haftungsdachs Privatconsult. Ähnlich sieht man das bei der Fondsplattform FFB, deren Geschäftsführer Peter Nonner meint: „Der Ex-post-Kostenausweis bedeutet für den End- kunden eine totale Überfrachtung mit Infor- mation und schießt übers Ziel hinaus. Die Be- rater müssen sich trotzdem mit dem Thema beschäftigen und aktiv auf die Kunden zuge- hen. Gerade Kunden, bei denen man weiß, dass es zu Nachfragen kommen wird, sollten proaktiv angesprochen werden. “ Doch mögliche Diskussionen mit Kun- den sind nicht das Einzige, was die Bran- che umtreibt. Schließlich dürften die Be- rater inzwischen gelernt haben, dem Kun- den zu vermitteln, dass ihre Dienstleistung einen Wert hat, der bezahlt werden muss. Viel ärgerlicher ist, dass Transparenz und Vergleichbarkeit oft nur suggeriert werden; erstens wegen fehlender Standards für die Darstellung und zweitens weil die dahinterliegenden Daten zum Teil veraltet oder irreführend sind. Dass es um den Ex-post-Kostenausweis trotzdem immer noch so ruhig ist, hat einen einfachen Grund: Die allerwenigsten Depotbanken haben das Dokument schon verschickt. Anfang Mai ergab eine Umfra- ge von FONDS professionell, dass nur zwei der sieben führenden Fondsplattfor- men den Ex-post-Kostenausweis bereits versandt hatten. Eine davon ist die FFB, bereits Mitte April wurde dort laut Nonner damit begonnen, die Kunden und Ver- triebspartner mit den entsprechenden Unterlagen zu beliefern. Und zumindest vorerst gibt es von Seiten der Fondsplatt- form Entwarnung. FFB-Sales-Director Ronald Holzmann berichtet, dass es bis Anfang Mai noch keinerlei Rückfragen von Endkunden zum Ex-post-Kostenausweis gab. Das mag allerdings auch daran liegen, dass 90 Prozent der FFB-Klientel Onlinekunden sind und diese den Kostenausweis in ihr Onlinepostfach geliefert bekommen. Ob die Nachricht auch gelesen wurde, ist nicht be- kannt. Versäumte Frist? Dass die Kostenaufstellungen mehrheitlich noch nicht übermittelt wurden, ist insofern überraschend, als von den Depotbanken zu hören war, dass sie den Kostenausweis im Januar verschicken wollten. So hatte die Bran- che die zeitliche Vorgabe der Regulierer, der EU-Kommission und der Europäischen Wert- papieraufsicht ESMA, größtenteils verstanden. Immerhin haben Wertpapierdienstleister ihren Kunden nach Artikel 50 der Delegierten Ver- ordnung (EU) 2017/565 die Ex-post-Kosten- Der Ex-post-Kostenausweis soll Anlegern volle Transparenz bei den Kosten bieten. Doch die Sache geht wohl nach hinten los. Eine erste Bestandsaufnahme. Irritiert statt informiert Foto: © pathdoc | stock.adobe.com, FFB, KCU, die Plattform Der Ex-post-Kostenausweis soll Anleger darüber aufklären, welche Kosten ihre Geldanlage im letzten Jahr verursacht hat. Doch viele Angaben sind nicht stimmig und könnten die Kunden vor allem verunsichern. 182 www.fondsprofessionell.at | 2/2019 vertrieb & praxis I ex-post-kostenausweis

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