FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2019

E rstmals führt die Wr. Städtische Versi- cherung das Ranking der größten hei- mischen Lebensversicherungen an. Mit einem Prämienvolumen von 1,3 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 23 Prozent ist sie – dank der im letzten Jahr über die Bühne gegangenen Fusion mit der S-Versi- cherung – nun die klare Nummer eins im Be- reich der Lebensversicherung. Der bisherige Marktführer, die Uniqa Österreich, wurde mit einem Marktanteil von 18,2 Prozent und einem Prämienvolumen von einer Milliarde Euro damit auf den zweiten Platz verwiesen. Und der Generaldi- rektor der Wr. Städtischen Versiche- rung, Robert Lasshofer, sieht durchaus weiteres Wachstumspotenzial für sein Haus, da der Kooperationsvertrag mit Erste Bank und Sparkassen bis ins Jahr 2033 vorzeitig verlängert werden konnte. Durch diese Partnerschaft wird es seiner Einschätzung nach gelingen, den Marktanteil der Städtischen – neben Stamm- und Partnervertrieb – auch über den Bankenvertrieb weiter auszubauen. Dabei erhofft sich Lass- hofer, neben der Lebensversicherungs- sparte auch in den Bereichen Gesund- heitsvorsorge und Sachversicherung von der Partnerschaft mit der Bank langfristig zu profitieren. Der Versicherungschef sieht die bisher feststellbaren Erfolge als Bestätigung der Strategie seines Hauses. In den ersten Mo- naten nach vollzogener Fusion verzeichnete die Wiener Städtische – über ihre neue Marke S-Versicherung – in diesem Bereich Steige- rungsraten von bis zu 30 Prozent. „Diesen Er- folgsweg werden wir konsequent weitergehen und sukzessive ausbauen“, gibt sich der Ge- neraldirektor zuversichtlich. Dem insgesamt negativen Markttrend im Bereich der Lebens- versicherung konnte sich allerdings auch der neue Marktführer nicht entziehen. Im Ver- gleich zum Jahr davor musste die Versiche- rung 2018 bei den Prämienzuflüssen einen Rückgang um 3,9 Prozent zur Kenntnis neh- men. Zwar konnten die Einnahmen in der laufenden Prämie leicht gesteigert werden, die Rückgänge bei den Einmalerlägen wurden da- durch aber nicht ganz ausgeglichen. Diese Werte liegen fast exakt auf dem Niveau der Gesamtmarktentwicklung. Laut Versiche- rungsverband (VVO) kam es hier zu einem Rückgang von 3,6 Prozent auf rund 5,6 Mil- liarden Euro (siehe Tabelle auf Seite 164). Die laufenden Prämien sanken dabei mit einem Aufkommen von 4,9 Milliarden Euro um 1,7 Prozent. Die Einmalerläge verzeichneten mit einem Prämienvolumen von 0,7 Milliarden Euro ein Minus von 14,7 Prozent. KLV verliert an Terrain Der kontinuierliche Rückgang des Prämien- volumens ist dabei vor allem darauf zurück- zuführen, dass die klassische Lebensversiche- rung (KLV) von Jahr zu Jahr an Terrain ver- liert. Die heimischen Assekuranzen tun sich angesichts der aktuellen Zinslandschaft im KLV-Verkauf immer schwerer, und das Ein- malerlagsgeschäft wurde von etlichen Gesell- schaften ganz bewusst deutlich runtergefah- ren, da die Garantie für sie ein zu hohes Risiko darstellt. Bei der Zürich Versi- cherung, die prozentual den deut- lichsten Rückgang im Bereich der ver- rechneten Prämien hinnehmen musste, sanken die Einmalerlagsprämien ge- genüber dem Vorjahr etwa um 62 Pro- zent – aufgrund „aktiver Steuerungs- maßnahmen“, wie das Unternehmen erklärt. Trotzdem haben etliche Versi- cherungen die KLV weiterhin im An- gebot: So hat sich etwa die Allianz Versicherung unter ihrem Vorstands- vorsitzenden Rémi Vrignaud vorge- nommen, die KLV für Kunden wieder attraktiver zu machen. „Wir haben uns 2018 Vorteile erwirtschaftet, die wir bereits in konkreten Kundennutzen investieren, so etwa in der Lebensver- 160 www.fondsprofessionell.at | 2/2019 fonds & versicherung I lebensversicherungen Foto: © Günter Menzl Der Lebensversicherungsmarkt hat weiterhin mit einem Prämienrückgang zu kämpfen. An der Spitze der Anbieter kam es jedoch zu einem Machtwechsel. Führungs wechsel Lebensversicherungsmarkt Entwicklung der Sollprämien im Lebensversicherungsbereich Während die klassische Lebensversicherung einen Rückgang des Prämien- volumens hinnehmen musste, bleibt das Fondspolizzengeschäft stabil. Quelle: VVO 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 7.000 8.000 2018 2016 2014 2012 2010 2008 2006 2004 FLV LV ohne FLV Mag. Robert Lasshofer ist seit 1999 im Vorstand der Wr. Städtischen und führt seit 2010 den – nach der Fusion mit der S-Versicherung – größten Lebensversicherer des Landes. Ende 2020 übergibt er das Ruder an Dr. Ralph Müller.

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