FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2018

Foto: © Günter Menzl A nfang Oktober feierte die euro- päische Immobilienbranche auf der „Expo Real“ in München eine berauschende Party. Die Geschäfte laufen seit Jahren ausgezeichnet, und kaum jemand kann sich vorstellen, dass die Zeit des scheinbar mühelosen Mil- lionenscheffelns eines Tages zu Ende geht und ein neuer Zyklus beginnt. Für die Semper Constantia Privat- bank hat mit Oktoberbeginn auf jeden Fall ein neuer Lebensabschnitt begon- nen. Nach der Übernahme durch die Liechtensteinische Landesbank im De- zember vergangenen Jahres wurde die 1986 gegründete Marke umgefärbt. Das Immo- biliengeschäft läuft nun unter der Führung der LLB Immo KAG. Flaggschiff ist wei- terhin der Publikumsfonds „LLB Semper Real Estate“, der zurzeit ein Verkaufsschla- ger im freien Vertrieb ist (siehe FONDS professionell Ausgabe 3/2018 ab Seite 190). Geschäftsführer Alexander Budasch ver- waltet mit seinem Team in den Publikums- und Spezialfonds ein Vermögen von insge- samt rund 1,1 Milliarden Euro. Das Immo- bilienvermögen aller Fonds beträgt 761 Millionen Euro. Das Portfolio besteht zur- zeit aus 74 Immobilien. Für das Fondsmanagement sind hohe Mittelzuflüsse eine Herausforderung. Denn die Immobilienpreise sind inzwischen so hoch, dass Investitionen aus Renditege- sichtspunkten immer schwerer fallen. Das sieht man auch beim 2017 aufgelegten Fonds „LLB Semper Real Estate Deutsch- land“, der mangels geeigneter Objekte lang- samer als geplant wächst. Wie wirkt sich die Übernahme der Semper Constantia Privatbank durch die Liechtensteinische Landesbank auf das Immobiliengeschäft und auf die Immobilienfonds aus? Gibt es Pläne, diesbezüglich etwas zu ändern? Alexander Budasch: Für uns ist die neue Eigentümersituation in allen Belangen sehr positiv. Die Bonität der neuen Eigentümerin und die Stabilität der Gruppe sorgen für Sicherheit. Und wir gewinnen zusätzliches Potenzial. Mit der Größe der Liechtenstei- nischen Landesbank wird es uns möglich sein, unsere Produkte noch besser zu ver- treiben. An der Geschäftsstrategie wird sich aber bis auf Weiteres nichts ändern. Das heißt konkret: Unsere Produkte und die Märkte, in denen wir veranlagen, bleiben gleich. Das sind Österreich und Deutsch- land. Welche Potenziale haben Sie imAuge? Die Gesamtgruppe verfügt auch imVertrieb über viel mehr Ressourcen, und es ist eine Stärkung der Absatzmöglichkeiten zu er- warten – sowohl im institutionellen als auch im Privatkundengeschäft. Wie sich die Volumina entwickeln, wird man in den nächsten Jahren sehen. Wir genießen auf- grund unseres Track Records eine hohes Vertrauen, und das ist eine sehr gute Aus- gangsbasis für die Zusammenarbeit. Mit größeren Mittelzuflüssen müssen Sie mehr in Immobilien investieren. Schaffen Sie das in demMarktumfeld? Das geht nicht, bevor nicht die Aktivseite gelöst ist! Deshalb planen wir die Budgets danach, was wir glauben, in Immobilien in- vestieren zu können. Allerdings ist der LLB Semper Real Estate – und dazu stehen wir – noch ein echter offener Fonds mit einer täglichen Anteilsscheinausgabe. Hier können wir die Liquiditätszuflüsse nicht so steuern wie beispielsweise bei neuen Immobilien-Spezialfonds. Hier sehen wir aber mehr Potenzial mit neuen Kun- den, die wir vorher nicht hatten. Außer- dem können durch eine gesetzliche Erleichterung nun bis zu 20 Anleger in einen Spezialfonds aufgenommen wer- den. Es gilt aber immer, dass sich die Mittelzuflüsse an den möglichen Immo- bilienanschaffungen orientieren müssen. Welche Rolle spielen die Spezialfonds bisher? Wir haben zwei Produkte für institutionelle Einzelinvestoren, die aus heutiger Sicht bestehen bleiben. Wir planen aber die Auf- lage neuer Spezialfonds, das ist ein ganz klares Ziel. Die bestehenden Fonds werden erweitert, wenn es geeignete Immobilien gibt. Wir prüfen sehr genau, wo es Nischen gibt, in denen wir noch attraktiv investieren können. Auf der Immobilienmesse „Expo Real“ herrschte heuer wieder große Eupho- rie. Wie haben Sie die Messe erlebt? Es ist klar, dass die Stimmung gut ist. Im Moment ist das Marktumfeld insgesamt sehr positiv. Sowohl im Einkauf als auch im Verkauf findet man nach wie vor gute Möglichkeiten. Fakt ist auch, dass wir ein Rekordjahr nach dem anderen gehabt haben. Seit neun Jahren steigen die Preise jährlich, das führt automatisch dazu, dass die Stimmung nicht schlechter wird. Aber es ist fast allen Marktteilnehmern bewusst, dass das nicht auf ewig so weiter gehen kann. Es ging vor allem um Deals und hohe Volumina. Vokabeln wie Qualität oder Langfristigkeit standen hingegen nicht hoch im Kurs, während man vor eini- gen Jahren zum Beispiel über „Green Seit Jahren fluten die Anleger die Immobilienmärkte mit ihrem Geld. Die extrem hohe Nachfrage macht es sehr schwer, überhaupt noch geeignete Anlageobjekte zu finden. FONDS professionell sprach mit Alexander Budasch , Geschäftsführer der LLB Immo KAG, über seine Fonds- und Einkaufsstrategien. „Wir sind ein echter offener » Die Assetklasse Immobilien wird stark nachgefragt, weil sie gut läuft. « Alexander Budasch, LLB Immo KAG sachwerte I alexander budasch | llb immo 152 www.fondsprofessionell.at | 4/2018

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