FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2018

134 www.fondsprofessionell.at | 4/2018 markt & strategie I mittelzu- und -abflüsse N ach dem plötzlichen Börsenbeben an den Aktienmärkten im Oktober stellen sich Marktbeobachter eine entschei- dende Frage: Sind die goldenen Zeiten für die Fondsbranche vorerst beendet? Eine Antwort darauf hat niemand, daher herrscht diesbezüg- lich doch einige Unsicherheit. Und diese Un- sicherheit spiegelt sich auch in der jüngsten Mittelzu- und -abfluss-Statistik von Mountain- View wider: Unterm Strich zogen Anleger aus den in der DACH-Region zugelassenen Fonds im Oktober 17 Milliarden Euro ab. Hauptbetroffene waren dabei Aktienfonds mit Abflüssen in Höhe von mehr als 13 Milliar- den Euro. Das war die stärkste Verkaufswelle seit August 2015, damals zogen Investoren 26 Milliarden Euro aus dieser Anlageklasse ab. Rentenfonds büßten zuletzt weitere 15 Mil- liarden Euro ein, wobei sich damit der seit Jahresbeginn beobachtbare Negativtrend fort- setzte – in Summe verlor die Fondsklasse 78 Milliarden Euro. Auch gemischte Portfolios blieben nicht verschont: Hier wurde ein Minus von fast sechs Milliarden Euro verzeichnet – der höchste Wert seit Mai 2008, länger reicht die Statistik von Mountain-View nicht zurück. Zum Teil wurde dieses Kapital in Geldmarkt- fonds umgeschichtet, sie konnten neben eini- gen passiven Fonds als Einzige Zuflüsse ver- zeichnen (siehe Tabelle nächste Seite). Normale Korrektur Das Ausmaß der Mittelabflüsse in den meisten Fondskategorien löste in den In- vestmenthäusern bisher allerdings wenig Beunruhigung aus. Die beiden Berenberg- Experten Henning Gebhardt, Leiter Wealth and Asset Management der Ham- burger Privatbank, und Bernd Meyer, Lei- ter Multi-Asset und Chefanlagestratege, räumen zwar ein, dass sich die Marktaus- sichten etwas eingetrübt hätten. „Wir be- wegen uns aber immer noch im Rahmen einer ‚normalen‘ Korrektur, wie wir sie auch im Februar gesehen haben“, beruhigt Gebhardt. Meyer merkt an, dass die positive fun- damentale Dynamik zwar abgenommen hätte – seiner Meinung nach müssten Un- ternehmen ihre Gewinnschätzungen nach un- ten korrigieren –, das Gewinnwachstum blei- be aber solide. „Ein unmittelbares Ende des Konjunkturzyklus ist weiterhin unwahrschein- lich“, glaubt Meyer. Gebhardt zeigt sich daher eher in Kauflaune: „Sollte sich unser Makro- bild nicht verschlechtern und sollten sich die Aktienmärkte stabilisieren, schätzen wir die aktuelle Korrektur als taktische Kaufgelegen- heit ein“, so der Berenberg-Profi. Fondsmanager sind vorsichtiger Dass die meisten anderen Anlageexperten bezüglich der weiteren Wirtschafts- und damit Marktentwicklung ebenfalls wenig Kopf- schmerzen haben, bekräftigt auch die jüngste Fondsmanager-Umfrage der Bank of America Merrill Lynch. An ein unmittelbares Ende des konjunkturellen Zyklus glaubt das Gros der regelmäßig befragten Portfoliomanager nicht. Allerdings meinten 85 Prozent der Umfrage- teilnehmer im Oktober, dass sich die Weltwirt- schaft in der Spätphase des Zyklus befinde. Das sind elf Prozentpunkte mehr als beim vorherigen Höchststand im Dezember 2007. Vielfach gehen die Vermögensverwalter daher lieber auf Nummer sicher und horten Bargeld: Die Cash-Positionen liegen mit 5,1 Prozent auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Mehr Schwankungen Dass sich Anleger in näherer Zukunft eher auf mehr Volatilität einstellen sollten, glaubt Thomas Herbert, Head of Portfolio Manage- ment bei Ethenea, den das nicht überrascht, der aber auch keinen Anlass zur Sorge sieht: „Historisch betrachtet hat eine Straffung der Geldpolitik durch die großen Zentralbanken regelmäßig zu einer höheren Volatilität an den Kapitalmärkten geführt.“ Dass aber weder die EZB noch die US-Notenbank zuletzt etwas gesagt oder getan hätten, um die Märkte zu beruhigen, zeige, dass weder EZB-Präsident Mario Draghi noch Fed-Chef Jerome Powell in der aktuellen Situation etwas Unerwartetes sehen, so Herbert. Auch andere Experten glauben derzeit noch, dass die Notenbanken nach ihren jahre- langen Bemühungen, die Weltwirtschaft wieder auf Schiene zu bringen, zwar ihr Mandat nicht aus den Augen verlieren, aber auch kein Risiko eingehen wollen, durch zu abrupte Zinsmaßnahmen die Konjunktur erneut zu stark abzubremsen. Die massiven Verkäufe im Oktober sind jedenfalls ein Garant dafür, dass auf Sei- ten der Anleger jegliche Gefahr einer – gefährlichen – Euphorie verflogen sein dürfte. Wenn die Mehrzahl der Anleger ängstlich reagiert, ist bekanntlich eher mit steigenden Kursen zu rechnen. CORNELIA FUSSI | Die Tabellen zu diesem Artikel finden Sie auf der nächsten Seite . FP Mittelaufkommen Aktienfonds Nach dem Börsenbeben im Oktober verzeichneten Aktienfonds knapp 13 Milliarden Euro Abflüsse. Abverkauft wurden aber nicht nur Aktienfonds. Quelle: Mountain-View -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 2016 2017 ’18 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 ’08 2 Mrd. Euro Foto: © Berenberg Der Kursrutsch im Oktober bescherte den meisten Fonds beträchtliche Abflüsse. Von Pessimismus merkt man dennoch wenig. Roter Oktober Henning Gebhardt, Berenberg: „Wir bewegen uns immer noch im Rahmen einer ‚normalen‘ Korrektur.“

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=