Sich häufende Wetterextreme, eine eisfreie Arktis und ein steigender Meeresspiegel: Der neue Bericht des Weltklimarats ist mehr als nur besorgniserregend. Deutschlands Banken geben sich beim Thema Klimawandel als Kämpferinnen an vorderster Front und werben gerne mit Green Finance, der Kreditvergabe an nachhaltige Geschäftsmodelle. "Doch trotz aller grünen Bekenntnisse finden sich in Büchern der deutschen Geldhäuser noch immer Milliarden an Krediten für Klimasünder", schreibt das "Handelsblatt" und verweist dabei auf eine neue Erhebung der Umweltorganisation Urgewald.

Die Klimaschützer zeigen in ihrem Bericht, dass allein sechs deutsche Großbanken zwischen 2018 und 2020 mehr als zehn Milliarden Dollar als Kredite an Unternehmen vergeben haben, die im Kohlegeschäft tätig sind. Miteinberechnet wurden sämtliche Konzerne, deren Kohleanteil am Umsatz mehr als 20 Prozent beträgt. Gleich mehrere deutsche Geldhäuser vergeben Kredite an Glencore, dem laut Urgewald größten Exporteur von Kraftwerkskohle weltweit. Und es bleibt nicht bei schmutzigen Krediten – deutsche Finanzinstitute beraten die Klimasünder auch. Urgewald beziffert derartige Investment-Dienstleistungen auf insgesamt sieben Milliarden Dollar, wobei der Großteil davon auf die Deutsche Bank und die Commerzbank entfällt.

Kein Kommentar
Die Banken selbst wollten laut "Handelsblatt" die Zahlen der Klimaschützer nicht kommentieren, sollen aber betont haben, dass sie auf dem Weg Richtung CO2-Neutralität "auch in der Übergangsphase als Kreditgeber bereitstehen". Urgewald kritisiert, dass die internen Vorgaben deutscher Banken zu lasch seien – sie lägen weit hinter denen der europäischen Konkurrenten zurück. Wie wichtig wirklich ein grünes Bankengeschäft wäre, verdeutlicht das "Handelsblatt": "Banken als Kreditgeber spielen bei der Entwicklung der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle, weil sie darüber entscheiden, welche Unternehmen frische Mittel erhalten und welche nicht", heißt es in der Wirtschaftszeitung. (fp)