Die Schwellenländer treiben den globalen Versicherungsmarkt auf Rekorde. Das weltweite Prämienvolumen erreichte 2017 einen neuen Spitzenwert. Das geht aus den Hochrechnungen der Allianz hervor. Alle Regionen legten zu, doch die Wachstumsdiskrepanz zwischen Schwellen- und Industrieländern bleibt "eklatant", so Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE. Beinahe 80 Prozent des vorjährigen Prämienwachstums in Höhe von rund 130 Milliarden Euro (Sparte Schaden/Unfall und Leben) gingen auf das Konto der Schwellenländer, zwei Drittel davon wiederum entfielen auf China.

Globale Versicherungsdurchdringung sinkt
So sehr das Wachstum erfreut, gibt es einen Wermutstropfen. Die Prämieneinnahmen können nicht mit der guten Wirtschaft mithalten. Die Versicherungsdurchdringung, also die Prämien in Prozent des BIP, ist auf 5,5 Prozent gesunken, den tiefsten Wert in den letzten 30 Jahren.

Das Segment Schaden/Unfall gab im letzten Jahr den Ton an mit einem Wachstum von rund fünf Prozent (Schwellenländer plus 11,6 Prozent, Industrieländer plus 3,5 Prozent). Das ergibt den größten Anstieg seit dem Jahr 2012. Die Lebensversicherungsprämien verzeichneten auf globaler Ebene mit 2,8 Prozent einen deutlich niedrigeren Zuwachs. Geschuldet ist dies in erster Linie der immer noch schwachen Entwicklung in Westeuropa, wo beinahe 30 Prozent der weltweiten Beitragseinnahmen gezeichnet werden, heißt es in einer Aussendung. Europa sah im Lebensbereich 2016 ein Minus von 2,2 Prozent und 2017 "eine rote Null", wie die Allianz mitteilt.

Nur Griechen bei Lebenspolizzen noch skeptischer als Österreicher
In Österreich verlief die Entwicklung noch schwächer, in den letzten beiden Jahren schrumpfte der Lebensmarkt um insgesamt 14 Prozent, und die Durchdringung fiel auf 1,6 Prozent. In Westeuropa geben nur die Griechen relativ noch weniger Geld für die Absicherung von Lebensrisiken aus.

Auch in einigen anderen entwickelten Volkswirtschaften waren 2017 Prämienrückgänge bei Lebenspolizzen zu beobachten, etwa in Australien (-18,2 Prozent), Japan (-11,3 Prozent) oder Südkorea (-4,9 Prozent). Insgesamt schrumpften daher die Prämieneinnahmen in den Industrieländern in der Sparte Leben 2017 um 0,5 Prozent.

China wird USA überholen
Ende der 2020er-Jahre dürften etwa knapp 40 Prozent der globalen Prämieneinnahmen in Schwellenländern gezeichnet werden; vor zehn Jahren lag dieser Wert noch unter zehn Prozent. An der Spitze werde es dabei zu einer historischen "Wachablöse" kommen, prognostizieren die Allianz-Experten: China werde die USA, die derzeit noch uneingeschränkt dominieren, als größten Versicherungsmarkt überholen. (eml)