Ein Sparbuch und eine Lebensversicherung mit Garantiezins: So vermehrte jahrzehntelang ein nicht unwesentlicher Teil der Österreicher sein Vermögen. Eine Strategie, von der sich nun immer mehr Anleger verabschieden. Die heimischen Assekuranzen tun sich angesichts der aktuellen Zinslandschaft im Verkauf von klassischen Lebensversicherungen (KLV) immer schwerer, im vergangenen Jahr wurde der Garantiezins von der Finanzmarktaufsicht neuerlich gesenkt; er liegt nun bei 0,5 Prozent, reale Renditen lassen sich damit nicht mehr erzielen.

Für das Neugeschäft im Bereich der KLV bewirkte dies einen Rückgang beim Prämienvolumen um 5,1 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Gemessen am polizzierten Neugeschäft ergab sich bei der Versicherungssumme ein Minus von 24,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Sieht man sich die Zahlen im Detail an, offenbart sich, dass dieses Minus vor allem auf einen anhaltenden Rückgang bei den Einmalerlägen um 20,8 Prozent zurückzuführen ist. Im Bereich der laufenden Prämien liegt das Minus nur bei 1,7 Prozent. In dieser Entwicklung spiegelt sich auch die Tatsache wider, dass etliche Versicherungen in den vergangenen beiden Jahren das Geschäft mit Einmalerlag in der KLV massiv eingeschränkt haben, da die Garantie für sie ein zu hohes ­Risiko darstellte.

Manche Anbieter haben sich daher bereits vollständig aus dem Einmalerlagsgeschäft zurückgezogen. Andere werden nicht müde, die Vorteile der KLV zu betonen. So erklärt etwa Peter Thirring, Generaldirektor der Donauversicherung: "Ich halte die klassische Lebensversicherung nach wie vor für sinnvoll, wo das Versicherungsunternehmen das Veranlagungsrisiko trägt. Im klassischen Retailbereich gibt es Kunden, die das Veranlagungsrisiko einer fondsgebundenen Lebensversicherung nicht tragen können, weil sie sich nicht genug auskennen. Wir als Donau bieten weiter die klassische an und stehen dazu."

Zürich Versicherung
Und jene Gesellschaften, die weiterhin Einmalerläge anbieten, können damit auch durchaus Absatzerfolge erzielen. Bestes Beispiel ist die Zürich Versicherung. Sieht man sich nämlich die Liste der Lebensversicherungen gereiht nach den verrechneten Prämien im Jahr 2017 an, so springen einem die Schweizer geradezu ins Auge. Keine Versicherung konnte im Vergleich zum Jahr 2016 die verrechneten Prämien derartig steigern. Die Bruttoprämieneinnahmen des direkten Geschäfts betrugen bei der Zürich 198 Millionen Euro und lagen damit um 33 Prozent über dem Vorjahr. "Wir sind mit dem ­Ergebnis 2017 sehr zufrieden. Unsere Finanzzahlen sind solide. Das ermöglicht uns, in der klassischen Lebensversicherung für unsere Kunden – wie im Vorjahr – eine attraktive Gesamtverzinsung in der Höhe von drei Prozent zu erklären", sagt Silvia Emrich, Mitglied des Vorstandes und CFO der Zürich in Österreich. 

Über Nachfragemangel kann sich, so zeigt der Jahresbericht des Versicherungsverbandes, auch die Fondspolizze nicht beklagen. Hier wurden im Neugeschäft das zweite Jahr in Folge deutliche Zuwächse verbucht. Ob es die steuerlichen Vorteile der FLV-Veranlagung gegenüber einem direkten Investment in Fonds oder die höheren Ertragsaussichten des Produkts sind, die für Käufer sorgen, lässt sich nicht feststellen. Fakt ist: Das Interesse bleibt hoch. Nach einem Plus von 12,8 Prozent im Jahr davor zeigte sich 2017 eine neuerliche Steigerung um 7,7 Prozent. Ein nicht unbeachtlicher Teil dieser positiven Entwicklung dürfte auch diesmal wieder auf das Konto der Helvetia Versicherung gehen. Die Prämieneinnahmen in der Lebensversicherung sind bei der Gesellschaft im Jahresvergleich insgesamt um knapp 0,8 Prozent zurückge­gangen. 

"Angesichts des vorjährigen knapp 50-prozentigen Wachstums infolge hoher Einmalerläge und des nach wie vor schwierigen Marktumfelds ist es alles andere als selbstverständlich, dass wir das Prämienaufkommen aus dem Vorjahr im Lebensgeschäft annähernd halten konnten", betont Andreas Bayerle, Vorstand für Finanzen und Leben bei Helvetia Österreich. Das FLV-Geschäft konnte im ­Bereich der laufenden Prämien hingegen deutlich ausgebaut werden. Während das Neu­geschäft in der KLV und der indexgebundenen Lebensversicherung rückläufig war, zeigt sich bei der FLV ein Plus von 11,8 Prozent.

Wüstenrot
Über deutliche Zuwächse in der FLV freut sich auch die Wüstenrot Versicherung: So konnten die verrechneten Prämien gegenüber 2016 in der FLV um 4,9 Prozent gesteigert werden. Erst im vergangenen Jahr präsentierte die Gesellschaft mit "Voll:Wert" eine neue Fondspolizze, um in besonderem Maße auch Zielgruppen anzusprechen, die bisher für sich selbst ein Wert­papierinvestment nicht in ­Erwägung gezogen haben.

"Der am Markt neuartige Ansatz, eine fondsgebundene Lebensversicherung mit bewusst nur sechs sorgfältig ausgewählten, renommierten, vermögensverwaltenden Fonds zu konzipieren und diese mit hoher Flexibilität für den Kunden auszustatten, erwies sich als richtig. Das ­Produkt wurde von Kunden und Vermittlern äußerst positiv angenommen", schreibt das ­Unternehmen im aktuellen Geschäftsbericht. Insgesamt stammen bereits zwei Drittel des Neugeschäfts im Bereich der Lebensversicherung aus der FLV.  (gp)


Den vollständigen Bericht zur Entwicklung des österreichischen Lebensversicherungsgeschäfts lesen Sie in der FONDS professionell-Heftausgabe 2/2018, die vor kurzem erschienen ist.