Der liechtensteiner Prozessfinanzierer EAS wirbt momentan wieder unter österreichischen Lebensversicherungskunden, sich der Sammelaktion gegen die Versicherungen anzuschließen, und "gewinnbringend" von der Lebenspolizze zurückzutreten. Für die Versicherungen dürfte es damit heuer noch einmal ungemütlich werden – sofern die neue Regierung nicht das Thema des "ewigen Rücktrittsrechts" bereinigt: EAS vertritt nach Eigenangaben bereits 5.500 Ausstiegswillige.

Bereits im Herbst des Vorjahres hatte die Versicherungsbranche einen Vergleich mit dem österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI geschlossen. Der VKI vertrat 7.000 Kunden und erzielte für diese einen "namhaften" Betrag in zweistelliger Millionenhöhe.

EAS: "Versicherungen interessiert"
Wolfgang Ender, Büroleiter bei EAS, sagte gegenüber FONDS professionell ONLINE, er erwarte, dass es heuer – möglicherweise "relativ bald" – zu sehr hohen Vergleichen kommt. EAS strebt demnach "Generalvergleiche" mit einzelnen Versicherungen an. Einige man sich mit einer Versicherung, dann würde die Aktion geschlossen und keine weiteren Geschädigten mehr aufgenommen. "Nachdem der VKI seine Aktion geschlossen hat, melden sich vermehrt Kunden bei uns. Wir glauben, dass daher die Versicherungen daran interessiert sind, einen Generalvergleich zu schließen, bevor die Liste noch länger wird", so Ender.

Es würden bereits Vergleichsangebote einzelner Versicherungen auf dem Tisch liegen, die aber aus Sicht von EAS zu niedrig seien. Ob das stimmt oder nur Rhetorik ist, die die Branche anspornen soll, sei dahingestellt. Bei jenen zwei Versicherungsgesellschaften, wo sich laut EAS die meisten Klienten gemeldet hatten, der Generali und der Wiener Städtischen, gibt es kaum Infos dazu. Bei der Städtischen weiß man nicht einmal etwas von einer EAS-Anfrage: “Wir haben bis dato noch keine konkrete Anfrage erhalten, daher können wir nichts dazu sagen", heißt es. Die Generali lieferte kein Statement.

Kritisiertes Geschäftsmodell – Tippgeberprovision
Das Geschäftsmodell von Prozessfinanzierern wie EAS ruft von mehreren Seiten Kritik hervor: So zahlt EAS zum Beispiel eine "Tippgeberprovision" an Makler, die EAS austrittswillige Kunden zutragen. Es kann also sein, dass der Makler zuerst Provision von der Versicherung erhält für den Verkauf. Und später dafür, dass der Kunde vom Vertrag zurücktritt. Kein Widerspruch aus Sicht von EAS-Mann Ender: "Die Kunden wenden sich ja an den Makler. Der Makler bringt für seinen Kunden eine Leistung, wenn er die Situation für ihn bereinigt. Es ist ja nicht die Schuld der Makler, dass das Produkt nicht gut läuft."

Verständlicherweise sieht das die Versicherungsbranche anders. Eine solche Doppelprovision sei ein No-Go für die weitere Zusammenarbeit, lautet ein entschiedenes Statement eines Versicherers. Im Fall von EAS liegt die Tippgeberprovision bei zehn Prozent von jenem Betrag, der EAS nach Abzug von Kosten überbleibt. EAS bekommt 40 Prozent des Mehrwertes, der für den Kunden erstritten wurde. Davon zahlt EAS die entstehenden Kosten (Gericht, Gutachter, etc.) und diesem Endbetrag wird die Tippgeberprovision abgerechnet, wie FONDS professionell ONLINE erfuhr.

Cobin legt juristisches Vorgehen fest
Auch bei der Sammelaktions-Plattform Cobin Claims läuft seit längerem eine Aktion, in der um rücktrittswillige Kunden geworben wird. "Wir sind gerade dabei, festzulegen, wie wir die Frage der Lebensversicherungen juristisch durchsetzen", sagt Vorstand Oliver Jaindl. Die Zahl der Menschen, die sich hier gemeldet haben, liegt aber nur im dreistelligen Bereich, wie es heißt.

Auch Cobin habe einen Prozessfinanzierer im Hintergrund. Allerdings rate man den Leuten, sich im Idealfall, selbst mit den Versicherungen zu einem Vergleich zu kommen. Cobin rechnet im Vorfeld einen möglichen Streitwert aus und kassiert 72 Euro.

Gesetz sorgt für Unmut bei Versicherern
Vor der Nationalratswahl war ein Anlauf gescheitert, die Situation bei den "ewigen Rücktrittsrechten" gesetzlich zu bereinigen. Im Lebensversicherungsbereich war es vor Jahren in großem Stil zu mangelhaften Rücktrittsbelehrungen gekommen. Dieses Versäumnis hilft heute den Besitzern von verlusttragenden Lebensversicherungen. EuGH beziehungsweise OGH sagen, dass dem Versicherungsnehmer bei fehlender oder fehlerhafter Belehrung ein unbefristetes Rücktrittsrecht zusteht – selbst wenn die Polizze längst ausbezahlt ist. Ob diese Darstellungen aber rechtlich in allen Fällen halten beziehungsweise richtig als "ewiges Rücktrittsrecht" interpretiert werden, wird von der Versicherungswirtschaft hinterfragt. Aus der Donau-Versicherung hatte es etwa jüngst geheißen, man werde keinen Vergleich mehr eingehen, sondern es auf den Gerichtsweg ankommen lassen. (eml)