Der Versicherungsriese Lloyd’s of London, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1688 zurückreichen, bringt seit langem kontinentaleuropäische Versicherungsnehmer – auch österreichische – mit internationalen Investoren zusammen. Nun hat die Gesellschaft erstmals in der Geschichte einen Standort am Kontinent eröffnet. Die bereits angekündigte Tochtergesellschaft Lloyd’s Brussels (Lloyd’s Insurance Company S.A.) sei nun operativ tätig. Sie wird ab 2019 die Risiken im europäischen Wirtschaftsraum zeichnen, heißt es auf der Homepage. 50 Leute seien am Standort in Belgien tätig, 45 weitere über den Kontinent verstreut.

Harter Brexit: Hoffen auf Unterstützung der Regulatoren
Das bestehende Geschäft am Kontinent werde bis Ende 2020 an die neue Gesellschaft in Belgien übertragen. Sollte es davor zu einem ungeregelten Austritt der Briten aus der EU kommen, erwartet Lloyd’s die Unterstützung aller europäischer Regulatoren, um die Geschäfte reibungslos abwickeln zu können. Es gehe schließlich um die faire Behandlung der Versicherungsnehmer, heißt es auf der Homepage. Sollten die nationalen Aufseher Probleme bereiten, würde Lloyd’s die "Underwriter", die die Risiken zeichnen, anweisen, die vertraglichen Verpflichtungen aufrecht zu erhalten, bis der Transfer der Verträge abgeschlossen ist.  

Lloyd’s of London ist keine klassische Versicherungsgesellschaft, sondern ein Versicherungsmarkt im Stil einer Börse, auf der Versicherungen gehandelt werden: Verschiedene Investoren übernehmen die Risiken von Personen oder Gesellschaften, die Versicherungsschutz brauchen. Der Hauptsitz bleibt weiter in London.

In Österreich betrifft das zum Beispiel die Verträge des Vermögensschadenhaftpflichtversicherers Höher Insurance, die zum Teil bisher über Lloyd’s of London gezeichnet wurden. Sie würden ab Jahresbeginn über die Brüsseler Tochter gezeichnet, heißt es dort. (eml)