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„Eine kluge Einzelwertauswahl und die Konzentration auf Werthaltigkeit und Qualität werden auch in diesem Jahr für Investitionen an den Weltbörsen von unschätzbarem Wert sein“, sagt Bruce Stout, Fondsmanager des weltweit anlegenden Aberdeen Global - World Equity Fund. Infolge der wachsenden Unsicherheit an den Märkten hat Stout das Portfolio zu Jahresbeginn etwas defensiver ausgerichtet und weiter diversifiziert. Der Finanzsektor ist per Ende Januar 2010 mit einem Anteil von 21,5 Prozent die am stärksten vertretene Branche, gefolgt vom Energiebereich (13,9 %), der Informationstechnologie (13,6 %) und dem Gesundheitswesen (11,1 %).
Aufgrund der starken Fundamentaldaten vieler Unternehmen aus der Region bleibt die Gewichtung von Asien und den Schwellenländern hoch, was durch solide Gewinne und das gute Dividendenwachstum der Unternehmen gerechtfertigt ist, so Stout in seinem aktuellen Marktkommentar. Die Gewichtung von Großbritannien und den USA bleibe dagegen relativ niedrig, aus diesen Ländern würden globale Unternehmen bevorzugt, die einen großen Teil ihrer Gewinne im Ausland erzielen. Hingegen würden Aktien aus Europa eine wertvolle geographische und sektorale Diversifikation ins Gesamtportfolio bringen. Im 1993 aufgelegten World Equity Fund wurden zuletzt rund 1,7 Milliarden US-Dollar verwaltet. Mit einer Wertentwicklung per Ende Januar 2010 von 42,54 Prozent auf Jahressicht rangiert das Produkt im ersten Quartil seiner Vergleichsgruppe.
Stout kommentiert die Situation an den Weltbörsen wie folgt:
„Die im Januar begonnene Korrektur eröffnet gute Ertragschancen an den globalen Aktienmärkten. Eine Verschnaufpause war gesund und nötig, um mittelfristig Fortschritte zu ermöglichen, sodass Aktien auf Jahressicht besser abschneiden dürften als Baranlagen. Die Stimmung an den Märkten bleibt aber unbeständig, sodass 2010 auch ein Jahr der Konsolidierung werden wird. In diesem Umfeld müssen Anleger sich auf die besten Märkte und Einzelwerte konzentrieren. Zwar sind die Aktienbewertungen nicht mehr so attraktiv wie noch vor einem Jahr, doch weil die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der im MSCI World Index enthaltenen Titel im 20-Jahres-Durchschnitt bleiben, spricht aus Bewertungsaspekten wenig für den Aktienverkauf. Auch die Dividendenrenditen sind weiterhin attraktiv, vor allem bei asiatischen Aktien, und die Kurs-Buchwert-Verhältnisse erscheinen nicht überdehnt. Zudem haben sich seit dem Beginn der weltwirtschaftlichen Stabilisierung die Free Cashflows der Unternehmen verbessert, sodass der Schuldenabbau erleichtert und die Bilanzen gestärkt werden. Dies ermöglicht eine weitere Aufwärtsdynamik, zumal positive finanzpolitische Impulse wegen der Instabilität des globalen Wachstums nicht schnell abgebaut werden dürften. Daran ändert auch die aktuelle Debatte über das Ende der expansiven Fiskalpolitik wenig.
Unklare Geldpolitik der Zentralbanken
Noch ist unklar, wie und wann die Zentralbanken ihre extrem lockere Geldpolitik zurückführen werden. Die Risiken steigen und die Folgen werden unangenehm sein. Das Standardrezept zur Krisenbekämpfung bestand aus Zinssenkungen und Ausgabensteigerungen. Damit wurde ein Konjunkturzyklus auf Kredit angeschoben. Die Schuldenberge sind aber inzwischen so hoch geworden, dass dieses Rezept in der westlichen Welt nicht länger funktioniert. Strukturelle Probleme sind die Folge. Steigende Defizite in den Rentenkassen, eine höhere Arbeitslosigkeit, ein schwaches Einkommenswachstum, Schuldenabbau und ein schwacher Konsum werden viele Staaten belasten, und die unvermeidlichen Sparzwänge werden produktive Investitionen begrenzen. Besonders Länder wie Großbritannien und die USA dürften deshalb kaum noch ihr früheres Trendwachstum erreichen, zumal sie alle Hände voll damit zu tun haben, ihre finanz- und geldpolitische Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.
Unterschiedliche Wachstumsentwicklung der Industrie- und Schwellenländer
Daher wird die Schere bei der Wachstumsentwicklung zwischen den Industriestaaten und den Schwellenländern weiter auseinander klaffen. Ein Vergleich zwischen Großbritannien und China verdeutlicht dies. Die britische Wirtschaft wuchs im vierten Quartal des vergangenen Jahres um nur 0,1 Prozent, und selbst dieses magere Wachstum scheint jüngsten Daten zufolge noch an Schwung verloren zu haben. Zuletzt belasteten schlechtes Wetter und höhere Umsatzsteuern die Aktivität in der Wirtschaft. Künftig werden Einkommenssteuererhöhungen den Konsum trotz des verbesserten Verbrauchervertrauens und der Stabilisierung im Immobiliensektor dämpfen. Die Bank von England hat bereits das Risiko eines erneuten Einbruches eingeräumt. Zur Vermeidung einer solchen „Double-Dip-Rezession“ wird die britische Geldpolitik deshalb länger als vermutet auf Wirtschaftsankurbelung ausgerichtet bleiben. Ganz anders ist das Bild in China. Obwohl das Reich der Mitte zuletzt die Mindestreserveanforderungen für Banken erhöhte und damit die Kreditvergabe drosselte, weisen Frühindikatoren auf eine robuste wirtschaftliche Aktivität in Asien und den Schwellenländern hin. Die Schlüsselfrage ist, wie stark die chinesische Regierung die Kreditvergabe noch beschränken will. Wir gehen davon aus, dass weitere Maßnahmen solange erfolgen werden, bis das Geldmengenwachstum von derzeit über 20 Prozent sich den acht- bis zehnprozentigen Wachstumsraten des chinesischen Bruttoinlandsproduktes angeglichen hat.
Geringer Inflationsdruck
Der Inflationsdruck wird wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der großen Lücke zwischen Produktionskapazitäten und tatsächlicher Produktion in den wichtigsten Industrienationen gering bleiben. In Asien und einigen nichtasiatischen Schwellenländern steigen die Inflationsraten zwar schneller, dies dürfte aber nicht außer Kontrolle geraten, wenn einige Konjunkturanreize wieder entfernt werden. An den Rohstoffmärkten wirken zwar viele langfristige Fundamentalfaktoren preistreibend, vor allem im Zuge einer Erholung der globalen Wirtschaft. Auf kurze Sicht ist dies in den Rohstoffpreisen jedoch schon berücksichtigt, und die Contango-Terminkurve an wichtigen Futuresmärkten weist auf ein ausreichendes Angebot hin. Das Schlüsselrisiko für den positiven Aktienausblick ist ein unerwarteter Renditeanstieg bei risikofreien Geldanlagen im Laufe des Jahres. Ein solcher Renditeanstieg, beispielsweise bei Staatsanleihen, könnte Umschichtungen zu Lasten von Aktien nach sich ziehen. Als unmittelbare Gefahr bewertet Aberdeen dies aber nicht.“ (rmk) |