|
Ein ehemaliger Commerzbank-Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen alten Arbeitgeber. Dieser soll beim Vertrieb des in Turbulenzen geratenen VIP-Medienfonds (Fonds professionell berichtete) nur am eigenen Geschäft interessiert gewesen sein.
„Dem Vertrieb ist demnach in den internen Schulungen des Institutes wortwörtlich gesagt worden, ‚sie sind keine Juristen, wenn wir sagen, der Fonds ist gut, dann ist er gut’“, sagt Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen von der auf Kapitalanlegerecht spezialisierten Kanzlei KWAG und stützt sich dabei eigenen Angaben zufolge auf eine entsprechenden Aussage eines ehemaligen Commerzbank-Mitarbeiters vor dem Landgericht München in der vergangenen Woche.
Gieschen zufolge habe der Banker in seiner Zeugenaussage auch von einem speziellen „Ranking“ gesprochen, in dem zum Teil sogar täglich die Anzahl der von den einzelnen Mitarbeitern verkauften Fondsanteile veröffentlicht wurde. Dabei sei die Beratung auf der Strecke geblieben, wie der Zeuge bestätigte, der zudem – laut Gieschen – auch von einem „erheblichen Vertriebsdruck“ berichtete.
„Wenn es mal nicht gut lief, wurden die Mitarbeiter in persönlichen Gesprächen von ihren Vorgesetzen gefragt, ‚ob sie noch nicht begriffen hätten, wie gut das Produkt sei oder ob man den falschen Zielkunden herausgesucht habe.“
Der Zeuge erinnerte sich außerdem an den bezeichnenden Spruch eines leitenden Mitarbeiters: „Wir haben in der Bank Arbeitsteilung. Der Vorstand hat beschlossen, dass wir das Produkt verkaufen und Sie verkaufen es.“
Laut Gieschen bestätigte der Zeuge in der Verhandlung ebenfalls, dass zum Beispiel der VIP-Fonds 3 den Commerzbank-Kunden als „letzte Möglichkeit, Steuern zu sparen bei hoher Sicherheit“ angepriesen werden sollte: „Die angeblichen Garantien erwiesen sich für die Anleger als Flop, weil sie nur gegenüber dem Fonds galten, nicht aber gegenüber den Anlegern.“
In einem internen Schreiben des Institutes, das KWAG vorliegt, ist sogar von „115-prozentiger Sicherheit“ bei VIP 4 die Rede. Die Kanzlei vertritt inzwischen mehr als 400 Anleger, die Schadensersatz von der Commerzbank und der HypoVereinsbank fordern. Die Commerzbank hatte beim Vertrieb der Fonds hohe Provisionen kassiert. Die von den Anlegern jetzt zu erstattenden Steuervorteile belaufen sich insgesamt auf mindestens 270 Millionen Euro. „Am Ende der Verhandlung hat das Gericht der Commerzbank dringend zu einem Vergleich mit dem Kläger geraten“, sagt Gieschen.
Die Commerzbank war in den Jahren 2003 und 2004 zum Hauptvertriebspartner der VIP-Medienfonds geworden. Sie hatte die Geldanlage insbesondere so genannten guten Kunden angedient. Insgesamt haben rund 11.000 Anleger die Fonds gezeichnet. Sie müssen jetzt in erheblichem Umfang Steuernachzahlungen leisten, weil die Finanzverwaltung den Fonds nachträglich die steuermindernden Eigenschaften aberkannt hat (Fonds professionell berichtete). (ir) |