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Give me Mohr

27.09.2006

Unsere jüngste Umfrage bei den Maklerpools nach ihren wichtigsten Umsatzbringern zeigt eine auffällige Häufung von Meinl-Produkten.

In Österreich dürfte wohl jeder Kunde eines Finanzberaters – zumindest derzeit noch – glücklicher Besitzer einer Immobilienaktie sein. Dies lässt zumindest unsere nun bereits zum zweiten Mal durchgeführte Umfrage zu den Top-Sellern der heimischen Pools vermuten. Bereits im vergangenen Jahr fragten wir die in Österreich aktiven Maklerpools nach ihren 20 umsatzstärksten Fonds, und das auffälligste Ergebnis dieser Umfrage war die Erkenntnis, dass eine Immobilienaktie alle Investmentfonds ausstach. Die Situation hat sich in der Zwischenzeit, zumindest aus Sicht der Gesellschaften, die keine Immobilienaktien im Köcher haben, drastisch verschlechtert.

Immo-Aktien dominieren
So teilen sich in der aktuellen Umfrage mit Meinl European Land, Immofinanz und Immoeast bereits drei Immobilienaktien die vordersten Absatzränge. „Dies ist das Ergebnis der Hausaufgaben, die wir ordentlich gemacht haben. Wir sehen den Erfolg nun auch an den Umsatzzahlen und daran, wie man mit Meinl Success umgeht“, zeigt sich Karl Mauracher, Vorstand Meinl Success AG, zufrieden. Sein Erfolgsgeheimnis erklärt er so: „Wir übertreiben in unseren Präsentationen nicht, und die Marke ,Meinl‘ hilft uns sehr. Die Vertriebspartner wissen, dass ,Meinl‘ mit Stabilität gleichzusetzen ist, daher sind auch unsere anderen Produkte bei den Pools sehr stark vertreten.“ Zugpferd Nummer eins bleibt aber die Aktie der Meinl European Land AG, die bei fünf der sechs befragten Pools das umsatzstärkste Produkt ist. Die Situation zeigt, dass sich heimische Finanzberater bisher in keinster Weise von der schon lange währenden Diskussion über die Nachhaltigkeit der Kursentwicklung der Immo-Papiere verunsichern ließen.
Nichtsdestotrotz könnte sich dieses Bild allerdings bereits im kommenden Jahr drastisch verändern. Der enorme Absatzerfolg der Immo-Papiere ist bekanntlich nicht zuletzt auf die bis zu sechs Prozent Abschlussprovision zurückzuführen, und genau hier könnte sich im kommenden Jahr ein Problem ergeben. So erklärt Ariconsult-Chef Werner Barwig: „Meines Wissens wird die EU-Direktive MiFID, die noch im kommenden Jahr in nationales Recht umgesetzt werden muss, einige Änderungen für den Vertrieb von Immobilienaktien mit sich bringen.“ Die neue Richtlinie könnte in zweierlei Hinsicht zum Störfaktor werden. Erstens verpflichtet sich jeder Berater mehr als bisher zum Best-Advice-Prinzip, womit jeder Berater seine Kunden eigentlich darauf aufmerksam machen müsste, dass sie die Immobilienaktien über die Börse auch ohne Ausgabeaufschläge kaufen können. Und wer dies nicht tut, muss zumindest offen legen, wie viel Provision er bei der Vermittlung verdient.
Aus diesen Gründen sieht man den unglaublichen Absatzerfolg der Immo-Papiere auch bei Jung, DMS & Cie. durchaus problematisch: „Wir machen uns derzeit viele Gedanken zur MiFID. Das Forcieren von einzelnen Produkten kann dann tatsächlich Probleme verursachen, gerade im Bereich der Immobilienaktien hat der Markt eine gefährliche Eigendynamik entwickelt. So gibt es bei uns bereits Einzeldepots mit mehr als 50 Prozent Immobilienaktien“, zeigt sich Geschäftsführer Helmut Egel besorgt. Laut Egel sind es häufig gar nicht die Berater, die eine bessere Diversifikation im Portfolio verhindern, sondern die Kunden selbst, die Kapitalerhöhungen längst allein zeichnen. Karl Mauracher sieht die Einführung der
EU-Richtlinie hingegen eher gelassen und erklärt: „Wir fürchten uns nicht, schließlich tun wir nichts Verbotenes, es geht nur darum, die Gebühren auch ordentlich auszuweisen.“ Vorläufig stehen Meinl European Land und Co. aber noch ganz oben auf der Beliebtheitsskala der österreichischen Finanzdienstleister.

Daten von sechs Pools
Auch in diesem Jahr fragten wir nach den jeweils 20 umsatzstärksten Fonds (1. Juli 2005 bis 31. Juni 2006) der Poolgesellschaften Ariconsult, BCA, Epicon, Gamax, Jung, DMS & Cie. und Top Ten. Des Weiteren nahmen wir als Ergänzung die Top-20-Fonds der Capital-Bank-Plattform auf. Erstmals befragten wir die Pools dieses Mal auch nach den zehn Top-Produkten im Bereich der geschlossenen Fonds sowie nach den fünf umsatzstärksten Zertifikaten.
Die Fakten: Von den sechs befragten Pools und der Capital Bank wurden insgesamt 81 verschiedene Fonds von 34 verschiedenen Fondsgesellschaften genannt. (Zur Erinnerung: Jeder Pool sollte seine 20 meistverkauften Fonds plus Immobilienaktien nennen, bei der Bewertung wurden alle Pools als gleichwertig betrachtet, es wurde keine Rücksicht darauf genommen, ob ein Pool aufgrund seiner Größe mehr Umsatz macht.) Darüber hinaus nannten uns insgesamt vier Pools die zehn umsatzstärksten geschlossenen Fonds des vergangenen Jahres. Acht verschiedene Emissionshäuser mit 22 verschiedenen Produkten wurden genannt. Des Weiteren nannten uns zwei Pools ihre fünf umsatzstärksten Zertifikate, hier ergab die Auswertung sieben verschiedene Anbieter mit neun Zertifikaten.

Fidelity und Templeton
In der Rangliste der umsatzstärksten Fonds (ohne Immo-Aktien) stehen die üblichen Kandidaten ganz vorn: Allerdings konnte der Fidelity European Growth im Bereich Umsatz den Vorjahresersten Templeton Growth Fund Inc. in diesem Jahr überholen. Trotzdem wird der Templeton Growth Fund Inc. mit insgesamt sechs Nennungen weiterhin öfter eingesetzt als der Fidelity European Growth (siehe Tabelle im Anhang). So führt etwa Jung, DMS & Cie. zwei Templeton-Produkte unter den Top 20 an. Fidelity liegt aber gut im Rennen. Bei immerhin fünf der sieben Umfrageteilnehmer finden sich Produkte der Amerikaner unter den Top 20.
Und natürlich ist auch der Fidelity European Growth Fund bei fünf der befragten Pools unter den Top Ten. Wie auch im vergangenen Jahr taucht in dieser Hitparade aber auch der Meinl Quattro mit fünf Nennungen auf. So konnten die Meinl-Fonds seit der vergangenen Umfrage bei fast allen Pools aufholen. Die Anzahl an Meinl-Fonds unter den 20 Top-Produkten klettere bei Jung, DMS & Cie. von einem auf nunmehr fünf Fonds. Pool-Chef Egel: „Meinl hat mit Meinl European Land ein gutes Leitprodukt, das sich bewährt hat. Der Vermittler profitiert von den guten Ergebnissen der Aktie und kann daher auch leichter andere Meinl-Fondsprodukte verkaufen. Als Pool kommt man an den Meinl-Produkten jedenfalls nicht mehr vorbei.“

Eigene Fonds
Wichtige Umsatzbringer bleiben bei jenen Pools, die auch eigene Produkte anbieten, die selbst verwalteten Fonds bzw. Dachfonds. So liegen in der Umsatzstatistik hinter dem Meinl Quattro mit jeweils zwei Nennungen bereits Pool-Eigenprodukte wie der Ariconsult Multi Asset und der Epicon Best Fonds Ausgewogen. Die größten Konzentrationen „eigener“ Produkte findet man wie bereits 2005 in den Umsatzhitlisten von Epicon (elf Epicon-Fonds), Gamax (sechs eigene Fonds) und Ariconsult (fünf Ariconsult-Fonds). Wertet man die Umsatzdaten der Pools nach Fondskategorien aus, stellen reine Aktienfonds mit 52 Prozent (71 Stück) innerhalb der 122 genannten Fonds die größte Gruppe. Der Rest verteilt sich auf Immobilien (17 %) und gemischte Fonds (7 %). Bei den Aktienfonds werden international anlegende Fonds mit 30 Nennungen bevorzugt. Dahinter liegen Emerging-Markets-Fonds mit 13 Nennungen und Europa-Fonds mit sechs.

Neue Segmente
Neben Fonds und Immobilienaktien fragten wir die heimischen Pools bei dieser Umfrage erstmals nach den Top-Sellern im Bereich der geschlossenen Fonds und der Zertifikate. Dass diese Bereiche allerdings noch eine untergeordnete Rolle spielen, zeigt sich bereits daran, dass nur vier Pools zu den geschlossenen Fonds und bei den Zertifikaten sogar nur zwei Pools Daten liefern konnten. Im Bereich der geschlossenen Fonds zeigt sich deutlich, dass der Marktführer MPC auch im Poolbereich die Nase vorn hat, so entfallen zehn der Top-20-Fonds auf diese Gesellschaft. Die Konkurrenz wächst aber, vor allem im Schiffsfondsbereich hat HCI an Bedeutung gewonnen. Insgesamt finden sich bereits sechs verschiedene Produktanbieter unter den Top-20-Produkten, dies spricht durchaus für die in Österreich noch junge Produktkategorie.
Eine weitere Assetklasse, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind Zertifikate (siehe auch Artikel "Eisbrecher"). Zumindest bisher wird dieses Segment, sofern es über die Maklerpoolschiene läuft, ebenfalls von Meinl-Produkten dominiert.

Anhang: Übersicht heimischen Pools

Quelle: FONDS professionell
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