Der Entwicklungsstand des österreichischen Kapitalmarktes entspricht in keinster Weise dem Reifegrad der österreichischen Volkswirtschaft, erklärt die Wirtschaftkammer Wien in ihrem neuen Konzept zur Belebung des österreichischen Kapitalmarktes. "Für einen funktionierenden Kapitalmarkt bedarf es daher eines Gesamtkonzeptes, das die Interessenlage aller relevanten Player (institutionelle und private Anleger, Banken, Börse, Unternehmen, Staat) berücksichtigt und den negativen Schwung, der aus der Erhöhung der KESt, der Schließung des dritten Marktes, der Diskussion um die Finanztransaktionssteuer und der stetig steigenden Aufsichtskosten resultiert, umkehrt“, liest man in der WK-Broschüre "Neue Chancen für den Kapitalmarkt“.

Die Wirtschaftkammer Wien kritisiert darin etwa der Umstand, dass nur zwei Prozent der Österreicher derzeit Aktien halten. "Das Vertrauen in die heimischen Unternehmen und in die Investitionen in die östereichischen Zukunftsmärkte muss nachhaltig gesteigert werden um in die Nähe der international üblichen acht Prozent Marke für Aktieninvestitionen zu kommen“, fordert die WK.

Wie das gelingen soll wird ebenfalls erklärt. Mit einem elf Punkte umfassenden  Programm möchte die Wirtschaftskammer jährlich zusätzlich mindestens drei Milliarden Euro von privaten Spar- und Giroguthaben in die Unternehmensfinanzierung bringen.  (gp)

Die Vorschläge im Überblick:

  1. Eine staatliche Garantie in Form einer "kleinen Einlagensicherung“ in Höhe von bis zu 50.000 Euro und 30 Prozent auf Wert- und Beteiligungspapiere von Unternehmen für Privatpersonen, die mit ihrem Sparkapital investieren. 
  2. Ein Beteiligungsfreibetrag in Höhe von 100.000 Euro für Privatpersonen, die in heimische Unternehmen als Eigenkapitalgeber frisches Risikokapital zur Verfügung stellen, absetzbar in fünf Jahren, je 20.000 Euro pro Jahr.
  3. Steuerbefreiung auf Erträge von Unternehmensanleihen bis zu einem Investitionsbetrag von 100.000 Euro, um das Interesse Privater an risikoreicherem Fremdkapitalengagement anzukurbeln.
  4. Rückführung der KESt von derzeit 27,5 Prozent auf frühere 25 Prozent; um die Diskriminierung der Kapitalerträge im Vergleich zu Bankzinsen auf Spar und Girokonten aufzuheben
  5. Wiedereinführung einer (einjährigen) Spekulationsfrist mit dem Ziel, dass die KESt für langfristige Investments entfällt.
  6. Beibehaltung der bisherigen Eigenkapitalquote für Beteiligungen.
  7. Ergänzung des subventionierten und umlagebasierten Pensionssystems um eine weitere, kapitalgedeckte Säule, die es Pensionskassen ermöglicht sich als langfristige Investoren und professionelle Anleger zu engagieren. Das Beitragsvermögen schiebt die Kapitalmarktentwicklung an und löst in weiterer Folge neue Investitionen aus.
  8. Abänderung des § 10 des Aktiengesetzes dahingehend, Inhaberaktien in multilateralen Handelssystemen zuzulassen.
  9. Um den dritten Markt darüber hinaus zu stimulieren, wird ein Absetzbetrag für den Börsengang von KMUs um die finanziellen Einstiegshürden zu minimieren gefordert.
  10. Steuerliche Abzugsfähigkeit fiktiver Eigenkapitalzinsen, damit das Investment in das eigene Unternehmen nicht steuerlich diskriminiert wird.
  11. Gewinne und Verluste müssen vom Staat steuerlich gleichbehandelt werden.