Vor zehn Jahren sprangen in den USA die Zinsen, die Banken im Handel untereinander verlangen, sprunghaft an. Nach jahrelanger Überhitzung war der US-Immobilienmarkt in eine Krise verfallen. Immer mehr Kreditnehmer mit schwacher Bonität konnten ihre Hypotheken nicht bedienen, dies bekamen die Geldhäuser nun zu spüren. Dieser Zinssprung markiert den Ausbruch der Finanzkrise, die ihren Höhepunkt in der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers finden und die weltweite Wirtschaft auf Heftigste erschüttern sollten.

Die Erosion des Vertrauens in das Finanzsystem sog auch Kapital aus den Fonds. Dies zeigen Daten des Analysehauses Thomson Reuters Lipper anhand des verwalteten Vermögens von US-Publikumsfonds und ETFs. So zogen Anleger in der Zeit von Sommer 2007 bis Frühjahr 2009 massiv Geld aus Fonds ab. Zudem schichteten Investoren Vermögen vor allem von Aktienfonds in Geldmarkt-Vehikel um.

Anleger kehrten in Scharen zurück
Obendrein führten die Turbulenzen an den Märkten dazu, dass die Zahl der Fondsschließungen in die Höhe schoss. Machten Asset Manager im Jahr 2007 insgesamt 146 Portfolios dicht, waren es im Jahr darauf 522 und 2009 sogar 695. Bis 2014 sank die Zahl wieder auf 349, schnellte 2016 aber wieder hoch auf 617. Allerdings handelt es sich bei diesen Angaben allein um die Zahl der Schließungen ohne Berücksichtigung von Neuauflagen.

In den Jahren nach der Finanzkrise erlebt die Fondsindustrie einen sagenhaften Aufschwung. So verwalten US-Fonds per Ende Juni 2017 ein Vermögen von 20,3 Billionen Dollar – mehr als doppelt so viel wie zu finstersten Krisenzeiten Anfang 2009. Sowohl aktien- wie auch Anleihefonds profitierten von dem Boom. Aber auch Mischportfolios und alternative Strategien erfuhren Zuspruch – die einen wegen des größeren Bedürfnisses an Sicherheit, die anderen wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfelds. (ert)