Der deutsche Pensionsexperte Bert Rürup erklärte beim diesjährigen "Pensions-Enquete", dass das österreichische Pensionssystem großzügig, aber nicht nachhaltig sei, zudem sei es mit langfristigen Finanzierungsrisiken behaftet. Hinzu komme, dass "seit Mitte der 1980er Jahre in den meisten Industrieländern ein trendmäßiger Rückgang der Lohnquote und im Gegenzug ein Anstieg des gesamtwirtschaftlichen Anteils der Vermögenseinkommen zu beobachten ist – auch in Österreich. Vor diesem Hintergrund sollte es unstrittig sein, dass ein 'gutes' Altersvorsorgesystem nicht nur aus den Arbeitseinkommen, sondern aus allen Quellen des Volkseinkommens – und damit auch aus den nationalen wie internationalen Kapitaleinkommen – finanziert werden sollte. Unter risikodiversifizierenden Gesichtspunkten ist Alterssicherungssystemen, die aus einer Mischung von umlagefinanzierten und kapitalgedeckten Pensionen bestehen, der Vorzug vor monistisch finanzierten Systemen zu geben", so Bert Rürup. Der deutsche Rentenexperte war Hauptredner der Veranstaltung, die von der ARGE Zusatzpension kürzlich im Wiener Hotel Sans Souci veranstaltet wurde. 

Alterssicherung als Kernaufgabe
"In einem demokratischen Sozialstaat hat der Staat die Verantwortung der Alterssicherung als Kernaufgabe wahrzunehmen. Daher treten wir stets für eine starke erste Säule des Pensionssystems ein, die Existenzsicherung und sozialen Ausgleich garantiert", erklärt ÖGB-Präsident Erich Foglar in seiner Visions-Rede bei der Enquete. "Wir bekennen uns aber auch zu einer ergänzenden betrieblichen Altersvorsorge auf Basis sozialpartnerschaftlicher Vereinbarungen und zu einer zusätzlichen privaten Pensionsvorsorge. Alle drei Säulen unseres Pensionssystems stehen vor allem im Zuge der zunehmenden Digitalisierung vor großen Herausforderungen."

Schweiz als Vorbild
"Die Schweiz hat ihr Pensionssystem ähnlich wie in Deutschland und Österreich mit einer starken ersten Säule aufgebaut, setzt aber seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts auch auf ein starkes – in der Schweiz verpflichtendes – ergänzendes betriebliches Pensionssystem und fördert zudem private Vorsorge", erklärt Martin Eling, Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen. "Die Kombination von umlagefinanzierten und kapitalgedeckten Pensionen funktioniert bei uns sehr gut. Aber auch die Schweiz steht immer wieder vor Herausforderungen, ihr Pensionssystem anzupassen und wird in wenigen Tagen wieder über zentrale Aspekte dazu abstimmen."

Vorsorge-Gedanken näher bringen
"Das klare Bekenntnis zu betrieblicher und privater Pensionsvorsorge als Ergänzung der staatlichen Pension ist ein großer Schritt in der heimischen Debatte zur Weiterentwicklung des Pensionssystems", erklärt Heinz Bednar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften. "Es muss das Ziel aller Beteiligten sein, Herrn und Frau Österreicher den Vorsorge-Gedanken näher zu bringen und somit das  persönliche Engagement für zusätzliche Pensionsvorsorge zu stärken". (gp)


Über die ARGE Zusatzpensionen:
Die Arbeitsgemeinschaft Zusatzpensionen umfasst alle Anbieter der privaten und der betrieblichen Pensionsvorsorge in Österreich. Das sind der Fachverband der Pensionskassen, der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO), die Plattform der betrieblichen Vorsorgekassen und die Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG). Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Zusatzpensionen vertreten gemeinsam ein veranlagtes Volumen von deutlich mehr als 200 Milliarden Euro.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, konkrete Optionen sowie notwendige Neuerungen aufzuzeigen, sowie gesetzliche Rahmenbedingungen zu verbessern, um das heimische Pensionssystem gesamtheitlich und nachhaltig auf hohem Niveau zu sichern. Im Mittelpunkt steht dabei stets eine substantielle Ergänzung der staatlichen Pension, keinesfalls aber eine Konkurrenz oder gar ein Ersatz des staatlichen Systems.