Einige Banken schwenken bei der Preisdiskussion über Investmentresearch auf Konfrontationskurs zu ihren Kollegen. So wollen Häuser wie BBVA, Credit Suisse, ING oder Daiwa Studien zu Anleihemärkten ganz oder teilweise umsonst herausgeben. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung "Financial Times". Ein anderes Lager, vor allem die US-Investmentbanken, beharrt hingegen darauf, künftig für alle Studien Geld verlangen zu wollen.

Hintergrund des Richtungsstreits ist die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II. Demnach müssen Asset Manager ab 2018 die Kosten für Analysen von Drittanbietern genau ausweisen. Bislang finanzieren Broker und Investmentbanken ihre Researchabteilungen fast ausschließlich über Gegengeschäfte. Sie gewähren einen Gratis-Zugang zu ihren Analysen. Im Gegenzug vergeben die Fondsmanager lukrative Handelsaufträge. Die neuen Regeln sollen Transparenz über die eigentlichen Kosten bei Fonds herstellen.

Dammbruch befürchtet
Die Häuser, die Bond-Studien auch künftig umsonst hergeben wollen, berufen sich auf eine Lücke im Regelwerk, welche die Finanzaufsicht Esma öffnete. Demnach dürfen Studien in diesem Segment weiterhin umsonst herausgegeben werden, sofern sie keine konkreten Anlageempfehlungen enthalten und nicht für Investmententscheidungen herangezogen werden können. Dies treffe auf einen Großteil ihrer volkswirtschaftlichen Analysen zu, argumentiert diese Seite.

Die andere Seite hingegen fürchtet einen Dammbruch, wenn sie auch nur einen Teil der Studien umsonst herausgeben. Sie befürchten einen Preisverfall auch beim Aktienresearch. Zudem argumentieren sie, dass es dem Geist der Mifid-II-Regelung widerspreche, wenn doch nicht für alle Analysen bezahlt werden müsse. "Die Regeln bedeuten, dass Research nicht umsonst sein kann, wenn es irgendeinen Wert hat. Das wissen unsere Kunden auch", sagte Terence Sinclair, Research-Leiter bei der Großbank Citi, der "Financial Times".

Besonderheiten der Bondmärkte
Die Handelshäuser ringen mit Fondsmanagern derzeit um die Preise für Studien. Die Bandbreite der Gebühren reicht verschiedenen Berichten zufolge von 10.000 Dollar für einen Basis-Zugang für Studien bis hin zu 100.000 Dollar pro Jahr für ein Rundum-Paket inklusive Gesprächen mit Analysten. Im Frühsommer waren noch Gebühren von 10.000 Dollar genannt worden – allein für ein einziges Telefonat mit einem Analysten.

Bei Bond-Analysen fällt es den Brokern schwerer als bei Aktien, die Kosten in Rechnung zu stellen. Im Aktienhandel verlangen die Investmentbanken Transaktionsgebühren. Hier können sie künftig die Researchkosten separat abrechnen. Im Anleihehandel hingegen erzielen die Broker ihren Gewinn durch die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis der Papiere. Diese nehmen sie mitunter zeitweilig auf das eigene Handelsbuch, bis ein Abnehmer gefunden ist. Zudem läuft der Großteil des Handels abseits der Börsen ab. Die Esma hatte aufgrund dieser Lage ein Schlupfloch eröffnet. (ert)