Die meisten Menschen beschäftigen sich nicht gern mit dem Thema Altersvorsorge. Das ist völlig verständlich, sagt Marktforscher Hans-Joachim Karopka vom Rheingold-Institut im Interview mit "Capital". "Warum sollten sich Menschen denn gerne und auch noch freiwillig mit einem derart komplexen Thema wie der Geldanlage beschäftigen?", gibt er zu bedenken.

Karopkas Ansicht nach sollte man unwillige Anleger weder bevormunden noch belehren, selbst wenn sie mit ihrem Anlagemix realistisch gerechnet Verlust machen. "Die Entscheidung, Geld lieber auf Giro- und Tagesgeldkonten und Sparbücher zu legen oder für Genuss und Erlebnis auszugeben, treffen Anleger nicht zwingend aus Unlust, Verunsicherung oder mangelndem Wissen", sagt er. "Sondern oft ganz bewusst, weil sie es als die für sie ideale Anlage empfinden." 

Kurzfristige, liquide Anlagen wie Tagesgeld gäben den Menschen das Gefühl, in einer Zeit flexibel agieren zu können, in der das Leben zunehmend unberechenbarer wird. "Und Brüche in den Erwerbsbiografien sind eher die Regel als die Ausnahme. Das macht auch Ausgeben reizvoller", ergänzt Karopka.

Gute Gründe für maximales Markt-Misstrauen
Die heutigen Anleger sind vom Platzen der New-Economy-Blase geprägt, vom Schiffbruch der "Volksaktien" wie dem Anteilschein der Deutschen Telekom und von den Anschlägen vom 11. September 2001. Man kann es ihnen nicht verdenken, dass sie den Status Quo erhalten wollen und in gewissem Maße die Augen vor den Herausforderungen der Zukunft zu verschließen, sagt Karopka.

Der Verzicht auf Aktien ist vor diesem Hintergrund oft eine bewusste Entscheidung, betont der Marktforscher. Viele Anleger sind schlicht nicht bereit, für etwas mehr Rendite das Auf und Ab an den Märkten auszuhalten. Bei Immobilieninvestoren ist die Risikowahrnehmung eine völlig andere: "Der Immobilienkäufer will sich mit der Immobilie eine Art Denkmal setzen. Man kann es sehen und anfassen. Das ist etwas ganz anderes als eine Aktie oder ein Fonds", erklärt der Marktforscher. (fp)