Lutz Johanning, Professor für Empirische Kapitalmarktforschung an der WHU – Otto Beisheim School of Management, ist voll des Lobs für die neue Kapitalmarktrichtlinie Mifid II, die Anfang 2018 in Kraft tritt. Als zentralen Punkt sieht er den aus Anlegersicht besseren Überblick über die Kosten von Finanzprodukten. Spannendste Frage ist für ihn, wie Fonds dann im Vergleich zu Zertifikaten und Versicherungen abschneiden – auch bei Risiken und Performance.

Wenig Nachsicht übt er mit der Asset-Management-Zunft: "Die Fondshäuser sind derzeit sicherlich erfolgsverwöhnt", erklärte er im Interview mit dem "Handelsblatt". Die Finanzbranche müsse unter Mifid II zeigen, dass sie tatsächlich Mehrwert für ihre Kunden generiert.

Zwar steht Anbietern nach Johannings Ansicht eine angemessene Vergütung zu – aber eben keine zu hohe. "Die Fondshäuser waren die Gewinner der Finanzkrise, gerade in ihrer Konkurrenz zu Zertifikaten und Lebensversicherungen. Außerdem haben die Gewinne an den Wertpapiermärkten die Fondsvolumina und so die Einnahmen automatisch erhöht." Die Frage, ob kritische Kostenstudien der britischen Finanzaufsicht FCA sich auch auf Fondsanbieter in Kontinentaleuropa übertragen ließen, bejaht Johanning. "Die Ergebnisse bei Gebühren, Performance und Transparenz dürften für die Branche hier ähnlich ausfallen", mutmaßt er.

Transaktionskosten nicht vernachlässigen
Der Finanzprofessor sieht es als klaren Vorteil für Anleger, dass künftig auch Transaktionskosten für Wertpapiere in Fonds ausgewiesen werden. "Sie sind wichtig, gerade bei gestiegenen Fondsvolumina." Denn dann steigen auch die Ordergrößen und die damit verbundenen Kosten. Eine Berechnung der WHU zeigt, dass dieser Posten durchaus ein Prozent pro Jahr ausmachen kann. (fp/ps)