Fidelity musste sich wie viele traditionelle aktive Fondsanbieter in den vergangenen Jahren mit der Konkurrenz durch billigere passive Fonds auseinandersetzen. Das alteingesessene Unternehmen reagierte nach längerem Zögern vor zwei Jahren: Die Amerikaner brachten in den USA die ersten ETFs auf den Markt, seit 2017 gibt es auch in Europa Fidelity-ETFs. Dabei handelt es sich um Smart-Beta-Produkte, die so konstruiert sind, dass sie eine Outperformance gegenüber ihrer Benchmark möglich machen. Doch neuerdings vermarktet Fidelity auch vollständig passive Fonds, die sehr kostengünstig Indizes wie den S&P 500 oder den MSCI World nachbilden.

"Keine neue Tiefenprüfung nötig"
Dass es beim aktiven Anbieter Fidelity nun passive Indexfonds gibt, mache vor allem mit Blick auf die zunehmende Regulierungsdichte Sinn, so Lessing. "Heute muss man für jeden einzelnen Fonds-Provider eine laufende Due Diligence machen. Für mich ist das beste Beispiel ein großer ungarischer Kunde, der sagt: 'Ich hab meine Inhouse-Fonds und als einzigen externen Partner Fidelity. Ich brauche nur drei passive Fonds und möchte nicht wegen eines neuen Providers die ganze Due Diligence noch einmal machen.' Genau dieses Bedürfnis kann ich nun befriedigen', so Lessing. Man plane jedenfalls nicht, Blackrock zu werden, so der Fidelity-Österreich-Chef.

Positioniert hat sich Fidelity auch mit der neuen Performance-abhängigen Fulcrum Fee. Die Gebührenvariante sieht vor, dass die jährliche Managementgebühr je nach tatsächlicher Performance steigt oder fällt. Vorerst soll es diese Option nur in den provisionsfreien Anteilsklassen (Y-Shares) geben. Diese Klassen hat Fidelity kürzlich auch kleineren Vermögensverwaltern geöffnet (gemäß Mifid II darf für unabhängige Vermögensverwaltung keine Provision mehr genommen werden). Bei Bedarf könne man die Fulcrum Fee aber auf andere Anteilsklassen übertragen. Man gehe bei Fidelity davon aus, dass die Tendenz generell in Richtung Performance Fee geht, so Lessing. (eml)


Das vollständige Interview erscheint in der aktuellen Heftausgabe von FONDS professionell 2/2018. Darin erklärte Lessing auch, warum er Robo ­Advisors nicht als Revolution sieht, aber sie begrüßt. Und er sagt, welche Produkte am "End of Cycle" empfehlenswert sind.