Je geringer die Produktauswahl im Fondsbereich, umso weniger kann schiefgehen. Diese Philosophie hat sich im Vorfeld des Inkrafttretens der EU-Finanzvertriebsrichtlinie Mifid II im Großteil des heimischen Bankensektors etabliert. Die Wertpapierberater – auch zwar auch jene in den Private-Banking-Einheiten – werden in Zukunft mit einer stark eingeschränkten Auswahl an Fremd­produkten auskommen müssen. Das Konzept der offenen Fondsarchitektur, das heimischen Anlegern den Zugang zum gesamten Angebot der Finanzindustrie eröffnen sollte, wird damit ein weiteres Mal beschnitten. Die dabei ­üblichen Optionen heißen "Masterliste" oder "Preferred Partner", wobei es hier wiede­rum Abstufungen geben kann.

Während beispielsweise bei der Erste Bank und der Bank Austria bereits seit längerer Zeit klar war, wie der interne Fremdfondsvertrieb in Zukunft organisiert werden soll, blieb diese Frage im Genossenschaftssektor lange Zeit unbeantwortet. Langsam zeichnet sich aber auch ab wie Volks- und Raiffeisenbanken mit der Problematik umgehen werden.

Keine einheitliche Regelung
Die Volksbank Wien, die seit geraumer Zeit als Spitzeninstitut des Volksbankenverbundes gilt, gewichtet hier Risikosenkung und Abwicklungssicherheit vor Produktvielfalt und erklärt: "Ab dem Inkrafttreten von Mifid II gibt es ­eine verbundeinheitliche Masterliste, auf der zehn Drittfonds, die regelmäßig überprüft werden, gelistet sind und je nach Marktsituation ausgetauscht werden." Welche Fonds oder Anbieter in dieser Liste enthalten sind, behält das Institut für sich. "Wir behalten uns vor, diese je nach Marktsituation zu ändern, daher haben nur unsere Berater im Rahmen einer ausführlichen Wertpapierberatung ­Zugriff auf die dann gültige Liste."

Etwas weniger rigoros geht der Raiffeisensektor vor, wobei hier keine sektorweit einheitliche Vorgangsweise beschlossen wurde. Aktuell kann man beide Varianten – also Preferred Partner und Masterliste – antreffen. Während es in der Vergangenheit eine umfangreiche, damals noch von der RZB erstellte Liste gab, hat die Raiffeisen Bank International dieses Thema nun an den hauseigenen Asset Manager ausgelagert.

Fürs Partnermodell entschieden
Bei Raiffeisen Capital Management (RCM) wird bereits seit Mitte 2015 eine eigene Einzelfondsliste für das Private Banking der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien erstellt. Auf diese Liste angesprochen, erklärte RCM-Geschäftsführer Rainer Schnabl 2016: "Die Drittfondsliste wird derzeit neu aufgesetzt und auch im Hinblick auf Mifid II evaluiert. Als Fondskom­petenz-Center der Raiffeisenbankengruppe ist es unsere Aufgabe, unsere Partner mit einer ­validen Liste von Fremdfonds zu servicieren." Mittlerweile wurde bekannt, dass sich letztlich auch die RCM für ein Modell mit Preferred Partners, bestehend aus zehn Fondsanbietern, entschieden hat. (aem)


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