Banken, Börsenhändler und Anbieter von Finanzprodukten klagen über gestiegene Gebühren der Handelsplätze für die Datennutzung. Und die Deutsche Börse plant zum 1. Oktober die nächste Erhöhung. Kennzahlen zu den Leitbarometern Dax und der Stoxx-Familie sollen zehn Prozent teurer werden. Marktteilnehmer und Emittenten von Finanzprodukten wie Zertifikate und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) benötigen die Daten für ihr Geschäft.

Die Börsen wiederum haben ein Monopol über Kursdaten – und nutzen dies aus und erhöhen immer wieder die Preise, so der Vorwurf. Je nach Börse zwischen 50 und 70 Prozent mehr zahle sein Institut heute im Vergleich zu Anfang 2014, sagte Nico Baader, Vorstandsvorsitzender der Baader Bank, der "Süddeutschen Zeitung".

"Marktdaten sind für uns Benzin"
"Wir produzieren täglich im Handel Kurse, die wir dann wieder zurückkaufen müssen – zu immer höheren Preisen. Das kann es doch so nicht sein", echauffiert sich der Institutschef. Sein Haus zählt zu den größten Market Makern in Deutschland. Besonders hohe Teuerungsraten weisen Baader zufolge die Swiss Exchange und die Borsa Italiana auf, gefolgt von der Deutschen Börse und ihrem Indexanbieter Stoxx.

Baader ist mit seiner Kritik nicht allein. "Marktdaten von den Börsen sind für uns das Benzin, das unser Motor fürs Geschäft braucht", sagte Christian Vollmuth, Risikovorstand bei Solactive, der "Süddeutschen Zeitung". Das Unternehmen entwickelt und berechnet eigene Indizes und macht damit Stoxx, MSCI oder S&P Dow Jones Konkurrenz. Allerdings ist auch Solactive auf die Handelsdaten der großen Börsenplätze angewiesen.

Europäische Aufsicht schaut genauer hin
Die Preise für die Marktdaten zur Indexberechnung hätten sich alleine in diesem Jahr "um fast 10.000 Euro oder 142 Prozent pro Monat erhöht", rechnete Vollmuth der Tageszeitung er vor. Das wolle man sich nicht bieten lassen. "Wir haben Beschwerde bei der hessischen Börsenaufsicht eingelegt", sagte Vollmuth.

Die europäische Finanzaufsicht ESMA hat sich den Fall schon vorgenommen. Die ESMA  hatte im Juli einen Fragebogen an Marktteilnehmer versandt und Informationen über die Datenpreise angefordert. Die Behörde will überprüfen, ob sich die Datenanbieter bei ihrer Gebührenpolitik an die Vorgaben der Finanzmarktrichtlinie Mifid II halten. Diese gibt vor, dass Börsen ihre Daten zu "angemessenen wirtschaftlichen Konditionen" zur Verfügung stellen müssen. Die ESMA wertet die Daten derzeit noch aus. (ert)